Frankenstein-Experiment mit bösen Folgen: DIE MASCHINE

     |    Tuesday October 21st, 2014

Machine1.2Wie sieht es im Kopf eines Psychopathen aus? Das ist die Frage, die den Gehirnspezialisten Doktor Marc Lacroix (Gérard Depardieu) in Francois Dupeyrons französischem Thriller DIE MASCHINE umtreibt. Um das Cerebrum von Menschen, vor allem von Verbrechern, besser erforschen zu können, hat er heimlich eine Maschine gebaut. Damit sollen zwei sich gegenüber sitzende Menschen in das Hirn des jeweils anderen hineinschauen können. Zwar ist die Technik noch nicht ausgereift, aber, wie beim filmischen Prototypen des „Mad Scientist“ üblich, ordnet er seine Vernunft der wissenschaftlichen Neugierde unter, beziehungsweise seinem Gott-Komplex.

Prompt unternimmt Lacroix ein Experiment, prompt geht es schief. Er schließt sich und den mörderischen Psychopathen Michel Zyto (Didier Bourbon) an die Maschine an – sie sieht in etwa so aus wie die Erinnerungsmaschine in „Total Recall“ – und schon wandert das Gehirn des einen in den Körper des anderen. Der Psychopath, der sich nun im Körper des Doktors befindet, denkt gar nicht daran, seine neue Identität wieder herzugeben. Lacroix wiederum ist im Körper des Verbrechers gefangen.

Machine6.2Im Folgenden entspinnt sich eine Odyssee, wie sie nur in Körpertausch-Thrillern erfolgen kann. So etwas kennt man aus John Woos – später gefilmtem – „Face/Off“ (mit John Travolta und Nicolas Cage) oder als lustige Variante von der Komödie „Freaky Friday“. So beschäftigt sich auch DIE MASCHINE weniger mit den Gründen für Lacroix’ Megalomanie, als mit den Folgen des Körpertauschs. Diese werden genüsslich ausgeschlachtet und zeitigen Verletzte und Tote. Auch das Wandern des Psychopathenhirns wird weitergehen und schließlich einen unschuldigen Knaben zum Opfer haben.

Um den Film genießen zu können, muss man sich klarmachen, dass er sich – trotz einiger Hitchcock-Anspielungen – explizit auf B-Movie-Vorbilder à la Roger Corman oder Jess Franco bezieht. Obskure Schlösser, dunkle Wälder, unheildräuende Unwetter sind Vorboten oder Begleiterscheinungen der unheimlichen Geschehnisse, die der Dr. Frankenstein wider Willen losgetreten hat.

Auch eine makabre Komik kommt in DIE MASCHINE nicht zu kurz. Sie wird vor allem von Gérard Depardieu vermittelt, dessen massiger Körper als Wirt für das Gemüt des Arztes, des Verbrechers sowie eines Kindes herhalten darf. Dass Depardieu sich mit komödiantischem Eifer in die Aufgabe stürzt, versteht sich von selbst. So lässt er in den Augen des Bösewichts die Geisteskrankheit aufblitzen, die er als moderater Arzt lediglich dezent angedeutet hatte. Als Kind wiederum lässt er das Infantile aus sich heraus und kann das Chargieren gerade noch vermeiden.

Machine4.2Wer also eine B-Movie-Hommage mit A-Besetzung – Nathalie Baye agiert als Film-Ehefrau Depardieus und Natalia Wörner ist jung und hübsch als seine Geliebte zu sehen – mit selbst eingestandenem Trash-Faktor erleben möchte, ist mit DIE MASCHINE gut bedient.

Kira Taszman

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