Mumia: Long Distance Revolutionary

     |    Thursday July 3rd, 2014

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Er ist einer der bekanntesten Gefangenen der USA, wenn nicht gar auf der Welt: Mumia Abu-Jamal. Der Dokumentarfilm MUMIA: LONG DISTANCE REVOLUTIONARY -jetzt zu sehen auf realeyz.tv – erzählt seine außergewöhnliche Geschichte. Fast dreißig Jahre hat er nach seiner Verurteilung 1982 im Todestrakt in einer 6 Quadratmeter großen Zelle gesessen, ehe sein Todesurteil Ende 2011 in lebenslänglich ohne Bewährung umgewandelt wurde. Wie kaum ein anderer hat Mumia Abu-Jamal in den USA und weit darüber hinaus kontroverse Reaktionen ausgelöst. Für Amerikas Rechte war und ist er ein Copkiller, der zurecht in der Todeszelle saß und weiterhin eingesperrt bleibt. Für viele andere ist er ein politischer Gefangener, ein schwarzer Aktivist, der Amerikas Rassismus anprangerte und dem die Polizei deswegen einen Mord an einem Polizisten anhängte. Er wurde zu einer Ikone für den Protest gegen die Todesstrafe, gegen Rassismus, gegen Unrecht im US-Justizsystem. Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat ihn im Gefängnis besucht, der Schriftsteller Salman Rushdie hat sich für ihn eingesetzt wie auch die Oscar-Gewinnerin Susan Sarandon. In Paris ist er Ehrenbürger.
MumiaAbuJamal-580x333Der Film MUMIA: LONG DISTANCE REVOLUTIONARY erzählt mit Archivmaterial und Interviews mit Freunden und Zeitgenossen seine außergewöhliche Lebensgeschichte. Schon er im Alter von 14 Jahren war er bei einer Demonstration von weißen Polizisten verprügelt worden und danach den “Black Panther” beigetreten.

Bald nannte er sich nicht mehr Wesley, sondern Mumia. Als später sein erster Sohn Jamal geboren wurde, änderte er auch den Nachnamen: Abu-Jamal, arabisch für Vater des Jamal. Er wurde ein angesehener Journalist, arbeitete für Radiosender, schließlich beim angesehenen öffentlichen Rundfunk von Philadelphia.  Mumia war mindestens so sehr Aktivist wie Journalist. Er berichtete, was er erlebte: in den siebziger Jahren war Philadelphia eine Stadt, in der offener Rassismus herrschte. Der ehemalige Polizeichef und Bürgermeister galt als harter Hund. 1979 verklagte das US-Justizministerium die Polizei von Philadelphia wegen Korruption und Brutalität. Jahre später bekannten sich sechs Polizisten schuldig, in ihrem Bezirk systematisch vor allem Schwarzen falsche Beweise untergeschoben zu haben. Munia wurde trotz seiner erstklassigen und populären Arbeit schließlich “wegen mangelnder Objektivität” gefeuert. “Bruder Mu”, wie er genannt wurde, fand keinen neuen Radio-Job mehr, sondern fuhr Taxi, um seine Familie zu ernähren.

Was am 9. Dezember 1981 geschah, ist umstritten: am Abend hatt Mumia Abu-Jamal noch mit einem früheren Kollegen und einem Landespolitiker zu Abend gegessen und danach seine Taxischicht begonnen. Um Viertel vor vier hatte er einen Fahrgast ans Ziel gebracht, nahe der 13. Straße und Locust Street, in einem noch sehr belebten Rotlichtbezirk Philadelphias. Später fand man auf einem Bürgersteig einen toten Polizisten neben in einer Blutlache, den Dienstrevolver, eine 38er Smith & Wesson, neben sich. Ein paar Meter entfernt saß Mumia Abu-Jamal auf dem Bürgersteig, blutend und nach vorn gekrümmt, mit einer Kugel aus Faulkners Waffe in der Brust. Sein Revolver lag neben ihm. Den Polizisten sagte Billy den einzigen Satz, den er in all den Jahren zu der Tat sagen wird: “Ich habe damit nichts zu tun.”
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Der Prozess gegen Mumia Abu-Jamal genügte laut Amnesty International nicht einmal den internationalen Minimalstandards eines fairen Prozesses. Abu-Jamal wollte sich selbst verteidigen, aber der Richter entzog ihm das Recht, bei der Auswahl der Geschworenen die Kandidaten zu befragen. Der Staatsanwalt lehnte viele schwarze Juroren ohne Angabe von Gründen ab. Verteidiger Jackson versäumte es, auf Ungereimtheiten bei den Schüssen hinzuweisen. Außerdem hatten zwei der Zeugen Vorstrafen.

Wird Mumia Abu-Jamal jemals frei kommen? In dem Moment, wo dieser Post erscheint, sitzt er immer noch in seiner Zelle. Er hat im Gefängnis mehrere Bücher geschrieben: über den Alltag in der Todeszelle, über die Geschichte der Black Panthers geschrieben und über Todeskandidaten, die sich in Rechtsfragen nur von anderen Gefangenen helfen lassen können. Er ist Mitglied des internationale Schriftstellerverbandes PEN geworden, schreibt Kolumnen, die in der  “Junge Welt” in Berlin zu lesen sind.

FrankZ

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