Tim König   |    Friday, der 2. February 2018

Erster Eindruck
HARD & UGLY ist ein skurriler Film. Die Schauspieler*innen sprechen wie in pädagogischen Kurzfilmen des örtlichen Kirchenverbands. Die Liebesgeschichte kennen alle, die einmal eine Fox Searchlight-Produktion gesehen haben. Und Berlin ist so sexy und ranzig, wie die Stadt sich seit Jahren vermarktet – nur, dass gut die Hälfte der Zeit Dialekt (freilich nicht Berlinerisch) gesprochen wird. Doch durch die pointierten Witze und unbefangenen Twists entwickelt der Film eine eigenartige Rhythmik und Herzlichkeit, die in den ersten Minuten dilettantisch wirken mag, aber so konsequent durchgezogen wird, dass man kaum anders kann, als HARD & UGLY stilvoll und sympathisch zu finden.

Inhalt

Hier könnte auch dein Text stehen: Schreibe eine Review und erhalte einen Gratis-Monat realeyz.de – zum Teilen oder für dich selbst. Hier gibt es mehr Infos: realeyz.de/schreiben-und-schauen

Der Plot ist ein wenig abgegrast, es geht um den im doppelten Sinn ungelenken Fitnesstrainer Et, der auf der Suche nach Liebe ist. Nachdem er in einer Übungsstunde ausfallend wird („Ich hab‘ verdammt nochmal gesagt, hört nicht auf zu atmen!“), entlassen ihn seine Chefs. Währenddessen, irgendwo in Berlin, überlegt sich Carla, ob sie sich schonmal ein Brautkleid kaufen soll, findet Zuhause aber nicht mehr ihren Verlobten, sondern einen Abschiedsbrief mit fadenscheinigen Erklärungen für die einseitige Trennung vor („…und der letzte Samenerguss war nur vorgetäuscht!“). Als Et von einer recht mickrigen Brücke in den Landwehrkanal springen will, um sich umzubringen, scheitert er zwar auf halber Strecke, weil er es nicht übers Geländer schafft. Dennoch bezeichnet er Carla, die zufällig vorbeiläuft und ihn vom Geländer zieht, fortan als Lebensretterin. Das erste Date endet allerdings damit, dass Carla einen Typen abschleppt, der seinen Bizeps ‚Johnny 300‘ nennt. Die Suche geht weiter, wenn auch der Rest des Films fast vorhersehbar ist. Das ist aber nur deshalb nicht frustrierend, weil die lakonische Erzählweise des Films – es ist eben alles ein bisschen frustrierend, aber auch ganz witzig – nonchalant fesselt.

Besonderheiten
Einen Großteil zu dieser Wirkung tragen die wunderbar gewählten Perspektiven auf Berlin bei, die sich nicht in übertriebener Gefälligkeit dem Kreuzberger Chic widmet, sondern die Tristesse der Hipsterwelt ausleuchtet. Zusammen mit der effizienten Schnittweise und leicht schrägen Popmusik (man kann sich gut an die Band ‚Fenster‘ vom Label Morr Music erinnert fühlen) bleibt der Film auf sicherer Distanz zu den bekannteren deutschen Klamaukfilmen, entwickelt aber trotz der Liebesgeschichte nicht die unangenehme Mixtur aus keifenden Streitereien und seifiger Harmonie mancher Arthousekomödien.

Fazit
An einem verkaterten Sonntagmorgen, nach einem Tag voller Missgeschicke ist HARD & UGLY eine pure Wohltat. Wenn man kein Mumblecore-Fan ist, muss man sich anfangs in den Film einfinden, wird aber mit einer Entspanntheit, einer gelungenen Inszenierung und hintergründigem Witz belohnt, der heraussticht.

 

Über den Autor: Tim König ist Teil des Realeyz-Teams und betreut die User Reviews.

User Review