Dennis Albrecht   |    Tuesday, der 21. August 2018

Die Entstehungsgeschichte dieses No-Budget-Spielfilms scheint einfach. Studierende einer Schauspielschule wollen einen Film drehen. Die FilmemacherInnen sagen zu und suchen einen Stoff, in dem alle SchülerInnen ein bis zwei dominierende Szenen bekommen. Das macht sich gut als Demovideo für die Agenturen. Jeder kann sich also beweisen. Außerdem hat ein Ensemble-Projekt immer den Vorteil, dass schwächere Auftritte von anderen Szenen aufgefangen werden können. Um es vorweg zu nehmen. Hier ist mehr passiert, im Guten, wie auch im Schlechten. Zunächst haben es die FilmemacherInnen verstanden, nicht irgendwelche weichgespülte Gefühlsduselei zu verwenden. Das Projekt will fies und gemein sein, was es in guten Momenten auch ist. Doch Anfangs holpert die Erzählung noch etwas. Deutsche Schauspielerei hat das große Problem, dass die AkteurInnen immer spielen wollen. Sie sind viel zu selten sie selbst und bauen daraus die Rolle auf. Außerdem wird das agieren und die Sprache dann doch wie auf einer Bühne zelebriert. Es ist alles zu viel, alle wollen zu viel spielen. Das ist meist ein deutsches Phänomen. Doch hier ändert sich im Laufe des Filmes etwas. Die jungen Frauen spielen sich anscheinend „warm“ und werden besser. Auch das Konzept wird stärker und spätestens mit dem Auftritt von William Schmidt als Max richtig gut.

Kurz zur Story: 7 straffällig gewordene Mädchen müssen im Wald gemeinnützige Arbeit leisten. Plus im Zeltlager ausharren. Für diese Zeit werden alle Hintergrund-Schicksale, Neurosen und Verbrechen der Mädchen nacherzählt. Der Wald ist auch noch verflucht und ein komischer Typ taucht auf. Daneben nervt noch die viel zu nette Leiterin der Maßnahme. Die Mädchen beschließen, etwas zu ändern, damit der Zeltausflug mit Natur säubern noch einigermaßen erträglich wird.

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Das Fazit ist, dass es sich tatsächlich um einen äußerst sehenswerten Film handelt! Was hier aus einem No-Budget entstand, ist genau das richtige, um einen Blick zu erhaschen was Nachwuchsarbeit bieten kann. Einige Rollen werden im Endeffekt doch sehr talentiert ausgefüllt, dass man hofft, demnächst einige wiederzusehen. Der Aufbau der Story ist klar und die Plots werden gut vorbereitet. Nur die Dialoge sind teilweise zu einfach gestrickt. Das selbstzerstörende „Herumbitchen“ nimmt man den Mädels in der ersten Hälfte nicht ab.
Trotzdem sollte der/die ZuschauerIn auf jeden Fall reinschauen und Geduld haben. Hier ist nicht die alte Dramaturgie-Regel anzuwenden „in den ersten 15 Minuten müsst ihr den Zuschauer überzeugt haben“. Nö, hier gelten nicht die alten und kruden TV- und Kino-Marketing-Regeln. Das hier ist nicht für das lineare Oma-Fernsehen. Einfach drüber hinweg gucken und das Ende genießen. Das ist nämlich toll!

Zu den FilmemacherInnen selbst sei noch gesagt, dass sich hinter dem Namen Henriks der bekannte Underground-Regisseur Lars Kokemüller versteckt. Der zieht mit seinen unorthodoxen Werken jetzt auch immer mehr Aufmerksamkeit aus dem Ausland an. Und da war der alte Name zu kompliziert. Henriks ist also der neue Kokemüller, der jetzt im Verbund mit Nisan Arikan alle neuen Projekte angeht. Wir sind gespannt.

Übrigens: Mehr Rezensionen von Dennis Albrecht findest du auf UnsereFilme.de.

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