Traumtänzeln in Brooklyn

     |    Saturday, der 11. January 2014

Ein Schwarzweiß-Film der in New York spielt und eine unverbesserliche (Traum-)Tänzerin zum Gegenstand hat? Das ist FRANCES HA, Noah Baumbachs Indie-Komödie über das Lebensgefühl der New Yorker Generation Y. Auf der letzten Berlinale eroberten der Regisseur und seine Hauptdarstellerin und Ko-Szenaristin Greta Gerwig mit ihrem Werk die Herzen von Publikum und Kritik im Sturm. Die Tragikomödie über die tollpatschige aber liebenswerte Frances, die eigentlich nur tanzen will, obwohl sie dafür eigentlich nicht begabt genug ist, geht am Sonntag ins Rennen um die Golden Globes und ist von nun an auch auf realeyz.tv zu sehen!

Frances (Greta Gerwig), eine angehende Tänzerin, wohnt mit ihrer besten Freundin Sophie (Mickey Sumner) zusammen: Die beiden unzertrennlichen jungen Frauen verbringen mehr Zeit miteinander als mit ihren Partnern. Dass Frances sich bald von ihrem Freund trennt, nimmt sie nicht so schwer.
Doch plötzlich verliert Frances die Orientierung in ihrem Leben. Beruflich kommt sie auf keinen grünen Zweig: Sie ist mit 27 immer noch Tanzschülerin, sich aber nicht bewusst, dass ihr für eine ernsthafte Karriere das Talent fehlt. In ihrer Tanztruppe ergattert sie nur undankbare Rollen und muss ihre Brötchen mit Ballettunterricht verdienen. Außerdem wird sie von Sophie im Stich gelassen: Erst zieht diese mit einer anderen Freundin zusammen, dann verbringt sie immer mehr Zeit mit ihrem neuen Lover Patch.
Im Unterschied zu ihren Freunden, die sich professionell oder emotional weiterentwickeln, stagniert die tapsige, aber herzensgute Frances. Bald betreibt sie aufgrund ihrer Geldnöte im sündhaften teuren New York ein regelrechtes Apartment-Hopping – Zwischentitel mit der Angabe ihrer Adressen strukturieren den Film.
Immer macht sie gute Miene zum bösen Spiel, redet ihre Niederlagen vor sich und anderen klein. Doch Frances ist eine Heldin von heute: trotz ihrer Naivität anspruchsvoll und sich bewusst, dass sie die alleinige Schmiedin ihres Glückes ist. Baumbachs Komödie erinnert durch seine Ästhetik, den Schauplatz New York und die eher marginale Heldin an „Stranger than Paradise“, ist allerdings viel redefreudiger und ausgelassener als Jarmuschs Klassiker.
Mit ihrer hartnäckigen Suche nach Selbstverwirklichung in einer Gesellschaft, deren Struktur sie nicht recht erfasst, ähnelt Frances auch mancher Figur der Nouvelle Vague. So ist es wohl auch kein Zufall, dass Baumbach seine Protagonistin einen improvisierten Kurztrip nach Paris absolvieren lässt und mit dieser zugleich unendlich traurigen wie komischen Episode jüngere Filmgeschichte schreibt: Verpasste Treffen, Jetlag und Einsamkeit, in die sie sich schicksalsergeben fügt, machen die Sequenzen mit Frances vor Eiffelturm, Triumphbogen und Co. zum Erlebnis.
Einmal tänzelt Gerwig zu den Klängen von David Bowies Achtzigerjahre-Hit „Modern Love“ eine New Yorker Straße entlang – eine eindeutige Hommage an den ekstatischen Tanz von Denis Lavant in Leos Carax’ „Die Nacht ist jung“. Als der Song im Abspann noch einmal ertönt, hat sich Frances’ Schicksal zum Guten gewendet – vielleicht ein wenig zu plötzlich, aber man gönnt es ihr.

Kira Taszman

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