Thriller in extremer Tiefe: PIONEER

    |    Sunday, der 5. July 2015  |     34

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Mitte der Siebzigerjahre stieß man vor der Küste Norwegens auf gewaltige Erdöl- und Erdgasvorkommen. Dass diese geborgen wurden und Norwegen zu einem der reichsten Länder der Erde machten, ist auch mutigen Berufstauchern zu verdanken. Sie betrieben im Meer in extremen Tiefen Recherchen, und einige bezahlten dies mit ihrem Leben. Dass dabei einige grundlegende Sicherheitsstandards missachtet wurden, weil die norwegischen Erdölunternehmen Angst vor Wirtschaftsspionage hatten, kam erst vor einigen Jahren ans Licht.

So wagen auch in PIONEER zwei norwegische Taucher, die Brüder Knut und Petter, auf offener See einen Tauchgang von 320 Metern. Sie testen ein neuartiges Gasgemisch, das ihnen ermöglichen soll, in der extremen Tiefe zu atmen. Doch das Experiment geht schief und Knut stirbt. Sein am Boden zerstörter Bruder Petter will die offizielle Version des norwegisch-amerikanischen Teams, dass es sich um einen Unfall handele, nicht glauben. Bald kommt er Ungereimtheiten auf die Spur.

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So findet er heraus, dass einer seiner Kollege bereits seit einiger Zeit unter spastischen Anfällen leidet. Auch die Geheimniskrämerei von Tauchleitern und Wissenschaftlern macht ihn stutzig. Wieso reagieren sie so abweisend, ja sogar feindselig? Als Petter Beweise für die Schädlichkeit des Atemgasgemischs findet und dies publik machen will, begibt er sich in Lebensgefahr…

Immer wieder hält der begehrte Rohstoff Erdöl im Kino als Motiv für Gier, Korruption und Mord her. PIONEER begibt sich direkt an die Quelle der Gewinnung des schwarzen Goldes und zeichnet nebenbei eine ganze Epoche nach. Es herrscht Goldgräberstimmung in Norwegen, und wie immer, wenn es um Riesengeschäfte geht, schreiten jene, die sich besonders viel Profit versprechen, mit unlauteren Mitteln zur Tat.

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Als Leidtragende und Sympathieträger der Profitgier werden im Film die beiden Brüder stilisiert. Sie sind Draufgänger und grundehrliche, kumpelhafte Typen. So begreift Petter nach dem Tod seines Bruders erst spät, mit welch gefährlichen Gegnern er es zu tun hat. Dass die Amerikaner nicht zu den Alleinschuldigen gemacht werden und der Film vor allem die norwegische Regierung kritisiert, spricht für ihn. Es geht im weitesten Sinne um Druck: den, der buchstäblich auf den Tauchern unter Wasser lastet und den Druck, den alle am Geschäft Beteiligten spüren und aufeinander ausüben.

Die Achtzigerjahre, sorgfältig in Masken und Kostümen nachgestellt, erscheinen als Epoche, in der die norwegische Gesellschaft ihre Unschuld verlor. So ist aus PIONEER ein grundsolider Thriller geworden. Er zeigt, dass die Underdogs zwar eine gewisse Chance haben, sich schließlich aber alles der Logik des Profits unterordnet.

Kira Taszman

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