Sound it Out

    |    Thursday, der 11. June 2015  |     3

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Heavy-Metal-Fans, Plattensammler oder Sixties- und Seventies-Nostalgiker, kurz: Musikliebhaber jeder Stilrichtung können in SOUND IT OUT im nordenglischen Stockton fündig werden. Der Plattenladen alter Prägung verkauft Vinyl-, Kassetten- oder CD-Tonträger und ist seit über einem Jahrzehnt ein Fixpunkt für Kunden, welche die rein kommerziell orientierten Medienmärkte oder den Online-Kauf ablehnen. Regisseurin Jeanie Finlay stellt die Betreiber des Record Stores und ihre Kundschaft in ihrer unterhaltsamen und anrührenden, durch Crowdfunding finanzierten, Dokumentation vor.

Shane hat nicht nur alle Platten von Status Quo, sondern er hat sie alle mindestens in acht- oder neunfacher Ausführung. Denn zuweilen gibt es auf dem Cover Druckfehler oder unterschiedliche Farben und Grafiken. Shane hat bereits 350 oder 400 Status-Quo-Konzerte besucht, so genau weiß er das nicht mehr. Und wenn er sich auf ein Konzert vorbereitet, hört er die Band eine Woche nonstop auf den Platten seiner umfangreichen Vinyl-Sammlung.

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Shane ist nur ein Kunde des einzigen Plattenladens klassischer Art im nordenglischen Stockton und Umgebung. Hier verkauft und kauft man Vinyl-Platten und fachsimpelt mit dem Ladenbetreiber Tom und seinem Mitarbeiter David über Musik. Kunden können sicher sein, in dem Bestand von 50.000 Tonträgern etwas für ihren Geschmack zu finden. So ersteht der Buchhalter Chris, stolzer Besitzer einer über 2000 Platten zählenden, alphabetisch geordneten Sammlung, bei Tom immer für genau 100 Pfund pro Monat Tonmaterial.

Für Shane, Chris aber auch die beiden jungen Heavy-Metal-Aficionados Sam und Gareth oder das DJ-Duo Franky und John-Boy ist SOUND IT OUT mehr als nur ein Laden: Er ist eine lebenswichtige Anlaufstelle, eine Art Familientreffpunkt. Ladeninhaber Tom, ein Musikbesessener, der alle seine Platten kennt, fungiert als gute Seele des Hauses und hat immer ein freundliches Wort für seine (Stamm-)Kundschaft.

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Die zu über 90 Prozent männliche Klientel des Ladens mutet in ihrem Musik-Fanatismus zunächst etwas speziell an. Doch im Gespräch mit Regisseurin Jeanie Finley geben die Protagonisten mitunter sehr Privates preis und wachsen dem Zuschauer ans Herz.

So berichtet der Status-Quo-Fan Shane, ein Epileptiker, von Diskriminierungen in seiner Jugend. Der junge Gareth wiederum präsentiert seine so genannte Battle Jacket, eine Trophäe mit den Stickern zahlreicher Metal-Acts und offenbart, dass die Musik und sein Freund Sam ihn vor dem Selbstmord bewahrt hätten. Überhaupt wird klar, dass in der post-industriellen Gegend, in der außer Arbeitslosigkeit gar nichts blüht, die Musik als einziger Fluchtpunkt nicht in die Kriminalität führt.

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Der Plattenladen, bezeichnenderweise zwischen einem Pub und einem Job-Center gelegen, wird somit auch zum kulturellen Fixpunkt der Stadt, veranstaltet Konzerte und Events. Wenn seine Mitarbeiter ausgerechnet vor dem Feindbild schlechthin, der Medienkette HMV, für seine Rabatte werben, ist das nur eine von vielen amüsanten Szenen des Films. Auch ein kesser älterer Herr, der gerne mit der ihn filmenden Jeanie Finlay flirtet, gehört zum Stammpersonal des Films.

Shane meint, sich selbst im Tod nicht von seiner Sammlung trennen zu können. Er will seine Platten zu einem Vinylsarg zusammenschmelzen lassen und darin begraben werden.

Kira Taszman

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