Schiele, Kirchner, Grosz & Co.

     |    Tuesday, der 5. November 2013

In der Berlinischen Galerie ist vom 24.10.2013- 27.01.2014 „WIEN BERLIN- Kunst zweier Metropolen“ zu Gast. Zum ersten Mal werden gemeinsam zentrale Werke der Berliner und Wiener Moderne gezeigt. Die Idee der Ausstellung macht Sinn: zwischen den Künstlern der beiden deutschsprachigen Städten gab es einen regen Austausch in Bezug auf ihre Ideen und künstlerischen Ausdrucksmittel. Viele junge Künstler, wie Egon Schiele, wechselten auch physisch in die andere  Metropole und erfuhren so elementare Impulse für ihre Arbeit. Nach dem Ersten Weltkrieg gerät die Wiener Kunstwelt international zunehmend in den Hintergrund. In Berlin dagegen reagierten die Vertreter von Dada und der Neuen Sachlichkeit vehement auf die aus den Fugen geratenen Verhältnisse. Das progressive, aggressive Berlin versus das behütete, sinnliche Wien gäbe es hier zu entdecken, schreibt in ihrer begeisterten Rezension die Sueddeutsche Zeitung. Damals wären manche Kritiker so weit gegangen, Wien als die Frau und Berlin als den Mann unter den Kunstmetropolen zu sehen. Die Ausstellung ist aber weit mehr als eine faszierende Schau, die einem der produktivsten Abschnitte der modernen Kunstgeschichte gewidmet ist. Mit „WIEN BERLIN- Kunst zweier Metropolen“ kommt der Besucher unmittelbar mit den Lebenswelten der beiden Städte am Beginn des 20. Jahrhunderts in Berührung. Dramatische und eindrückliche Geschichten erzählt fast jedes Bild, ranken sich oft auch um die Bilder selbst. Als ein Beispiel sei hier ein Werk der Künstlerin Lotte Laserstein genannt: „Im Gasthaus“ (1927). Lotte Laserstein war eine der ersten Frauen, die an der Berliner Akademie der Künstler studieren durften. Ihr großartiges Portrait eine blonden, jungen Frau in einer Berliner Restauration wurde erst vom Berliner Magistrat gekauft und später von den Nazis als „entartete Kunst“ beschlagnahmt. Zeit ihres Lebens dachte die Künstlerin, die 1937 wegen ihrer jüdischen Familie vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste, ihr Bild sei im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Erst kürzlich wurde es auf einer Kunstauktion entdeckt und jetzt, fast 80 Jahre später, wird es erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Wenn man nach Argumenten sucht, um Freunde zum Besuch der Austellung zu bewegen, kann man es sich eigentlich einfach machen und die Namen der ausgestellten Künstler rezitieren: Beckmann! Dix! Grosz! Höch! Kirchner! Klimt! Kokoschka! Liebermann! Schad! Schiele!… Jeder für sich allein ist den Weg in die Berlinische Galerie schon wert!

FrankZ