Saubere Kleidung statt Fast Fashion

     |    Wednesday, der 9. July 2014

Am 3. Juli 2014 wurde die Eröffnung einer Filiale des irischen Bekleidungsmegastores Primark am Berliner Alexanderplatz von Protestaktionen begleitet. Aktivist_innen der Kampagne für Saubere Kleidung, unter der Federführung der entwicklungspolitischen NGO INKOTA-netzwerk, forderten, dass die weltweit agierende Kette Standards für faire Arbeitsbedingungen und ökologisch verträgliche Produktion einhalte – gleichermaßen in den eigenen Betrieben und den Zuliefererfirmen. Primark war bereits im Vorfeld der Eröffnung in die Kritik geraten, da Kund_innen in verschiedenen Kleidungsstücken der irischen Modekette eingenähte Hilferufe gefunden hatten.

Micha X. Peleds Film CHINA BLUE über die Arbeitsbedingungen in einer Jeansfabrik in Shaxi, Guangdong begleitet die Kampagnenarbeit von INKOTA und wurde auch bei der Aktion zur Primark-Eröffnung als Infomaterial zitiert.

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Infotafel von INKOTA am Alex, mit Szenenfotos aus CHINA BLUE

Filmtrailer

INKOTA Kampagnenleiter Berndt Hinzmann im Interview

realeyz: Macht INKOTA noch neben der Intervention vor Ort noch Urgent Actions, Petitionen etc.?

Berndt Hinzmann: Zu Primark selbst laufen keine Urgent Actions jedoch ist die Summe innerhalb des Entschädigungsfonds der Opfer des Fabrikeinsturzes von Rana Plaza/Bangladesch so gering, dass die Opfer noch immer nicht angemessen entschädigt werden können.

Primark hat einen verhältnismäßig geringen Betrag eingezahlt (mehr Info hier). Gäbe es Haftungspflichten für Unternehmen, dann würde dies nicht der Freiwilligkeit und Beliebigkeit der Unternehmen überlassen sein.

Hier ist die Politik gefordert andere Rahmenbedingungen zu schaffen!

Gab es schon Resonanz von Primark?

Die von der Kampagne benannten Kernprobleme kennt auch Primark. Es wurde nochmals im Gespräch bekräftigt mit Projekten die Probleme anzugehen. Ob die Erkenntnisse Auswirkungen auf das Business-Konzept haben, wurden mehr als vage beantwortet.

Wie ist Eure erste Bilanz der Aktion?

Erfreulich viele junge Menschen haben mit ihrer Präsenz ein öffentliches Statement gesetzt: die Praxis von Fast Fashion ist # untragbar. Schluß mit der Verantwortungslosigkeit und den Ausreden der Fashion-Industrie.

Trotz Ansturms beim Öffnen der Ladentür, mehrere hundert Menschen forderten kreativ und lautstark eine Umkehr hin zur öko-fairen Mode.Der „Umsonstladen“ wurde von den BesucherInnen des Alex rege frequentiert und genutzt. Das war dann schon mal eine Alternative.

Zielt Ihr primär auf Awareness-Building bei den potentiellen Käufern, oder wäre Boykott o.ä. von Nöten? Oder zu früh noch, um das einzuschätzen?

Es geht nicht um Boykott. Politik und Unternehmen müssen Rahmenbedingungen schaffen die die Einhaltung von Umwelt- u. Sozialstandards und Menschenrechten bei der Arbeit sicherstellen. Letztlich müssen die Kosten dafür einkalkuliert werden und nicht wie bisher ausgelagert – zu Lasten der Menschen und Umwelt in den Produktionsländern.

Wie sind eigentlich die Arbeitsbedingungen für das Einzelhandelspersonal hier in Berlin bei Primark?

Vergleichbar mit H&M. Kaum Gewerkschaften, hauptsächlich Teilzeitverträge und Minijobber.

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Weitere Aktionen veranstalten INKOTA zur Fashion Week am 12. Juli 2014, ab 17:00:
„Modeindustrie wachbassen!“

Interview: Natalie Gravenor
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