Rock am Genfer See: Queen-Museum in Montreux

     |    Monday, der 10. March 2014

Die englische Königin am Genfer See? Naturally, my dear, wenn man mit Königin nicht die greise Monarchin, sondern die einzig wahre britische Royalty, die Band Queen, meint. In ein eher verschlafenes Schweizer Kaff namens Montreux brachten die Mannen um Freddie Mercury ab Ende der Siebzigerjahre Leben, Pomp und Glamour: Bis Anfang der 1990er nahm das britische Quartett hier sechs Alben auf, darunter Klassiker wie „Jazz“ (1978) oder „A Kind of Magic“ (1986). Der Ort der musikalischen Höhenflüge: „The Mountain Studio“, und weil er mit dem Blick auf das riesige Gewässer und die schneebedeckten Berggipfel so idyllisch war und die vier Songwriter dort vom Großstadt- und Tourneestress ausspannen konnten, kauften sie es kurzerhand.
Nun, 23 Jahre nach Freddie Mercurys Tod, wurde das Studio zum Museum umgewandelt und haben Queen-Fans aus aller Welt eine Pilgerstätte, die diesen Namen auch verdient. Nicht nur, dass unweit des Museums die übermannshohe Freddie-Statue ihre bronzene Faust gen Himmel reckt. Nein, für wahre Queen-Maniacs wird in dem Museum auch der Geist des legendären rockenden Schnurrbartträgers ganz plastisch wieder wach: durch persönliche Gegenstände wie Blätter mit Songtexten, Pappbecher, aus denen Freddie, Brian, Roger und John getrunken haben, das Spielbrett einer nie beendeten Partie Scrabble und Vitrinen mit Goldenen Schallplatten und ähnlichen Devotionalien. Nur das Mischpult ist nachgebaut. Doch dafür kann man daran mit den Reglern spielen, sich Queen-Aufnahmen in verschiedenen Produktionsphasen anhören, etwa nur Freddies Stimme oder Brians Gitarre oder die „rhythm section“, Roger und John.
An der Mauer des Ex-Studios Grußbotschaften zu hinterlassen, wird ausdrücklich begrüßt. Das war noch ganz anders, als ich mich im September 1993 zu Freddies posthumem 47. Geburtstag mit einer Botschaft (inklusive dazugemaltem Herzen) an der Mauer seines letzten Anwesens in London verewigte – neben Fans aus Mexiko, Argentinien, Italien, Polen oder Japan. Da in dem prächtigen Kensingtoner Haus nach Freddies Tod aber seine Freundin Mary Austin eingezogen war, ließ diese die mit Kreide, Filzstiften, Spraydosen (oder in meinem Fall Mascara) gekritzelten und gesprühten Liebes- und Gedenkgrüße aus aller Welt regelmäßig übertünchen.
Nun, 20 Jahre später, ist eine neue Generation von Queen-Fans herangewachsen, welche die Band vor allem auf YouTube-Videos kennengelernt hat. Gemeinsam mit den mittlerweile ergrauten Fans der ersten Stunde können sie jetzt mit der kostenlosen Tour durch das Museum auf königlich-musikalischen Spuren wandeln, sich vorstellen, wie die vier Bandmitglieder mal harmonisch, dann wieder legendär streitend um ihre Texte, Melodien, Riffs und Background Vocals rangen, mit David Bowie „Under Pressure“ produzierten oder Freddies letzte Gesangsparts aufnahmen. Angeblich ist auch seine Asche auf dem Genfer See verstreut – ein Grund mehr, in das Queen-geweihte Wasser zu tauchen und dem Städtchen Montreux einen Besuch abzustatten.
Kira Taszman

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