Reisen zum Mittelpunkt des Menschen- eine Nachlese

     |    Tuesday, der 18. February 2014

Nymphomaniac Volume I

Was treibt Menschen wie die junge Joe in „Nymphomaniac Volume I“ an? Was führt sie und manche andere Menschen in gefährliche Abenteuer, in absonderliche Situationen und oft genug auch an den Rand ihrer Existenz? Auf der diesjährigen Berlinale waren einige bemerkenswerte Filme zu sehen, die nach einer Antwort auf diese Fragen gesucht haben. In Lars von Triers neuestem Film liest ein älterer Mann eine geschundene junge Frau auf und nimmt sie mit zu sich. Sie erzählt aus ihrem Leben und er hört ihr geduldig zu. Er lässt ihre sich wiederholende Beteuerung nicht gelten, dass sie schuldig und ein schlechter Mensch sei. Lars von Triers Film ist so etwas wie ein filmischer Roman über eine Frau, die nach Sinn und Balance in ihrem Leben sucht. Die Sucht nach Sex führt sie an die verschiedensten Orte und lässt sie den unterschiedlichsten Männern begegnen. Erregung und Verzweiflung, Lust und Schmerz sind dabei ihre ständigen Begleiter.

"Kreuzweg"

Maria in „Kreuzweg“ ist ein 14-jähriges Mädchen und hat Interessen wie viele andere Teenager auch, fühlt sich zu einem Jungen in der Schule hingezogen. Doch sie wird in einer Familie groß, die sich zu einer besonders traditionalistischen Form des Katholizismus bekennt und das ganze Leben danach ausrichtet. Besonders Marias Mutter setzt mit harter Hand die strengen Glaubensregeln durch. Maria versucht zunehmend verzweifelt, es allen recht zu machen und vor allem dem Gebot der reinen Gottesliebe zu folgen. Sie entschließt sich zum größten Opfer, dass ihr vorstellbar ist und lässt sich auch von den Menschen nicht davon abhalten, die sie wirklich lieben. Regisseur Dietrich Brüggemann erzählt die Passion von Maria angelehnt an die 14 Bildern des Kreuzwegs – von „Jesus wird zum Tode verurteilt“ bis „Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt“.

"Andersen"

Regisseurin Annekatrin Hendel hat als einen Handlungsraum ihres Dokumentarfilms „Andersen“ das Filmstudio in Babelsberg gewählt. Dort hat sie originalgetreu einen Ort nachgebaut, der zum Schauplatz des Verrats des Protagonisten des Films wurde. In der Küche von Wilfriede und Ekkehard Maaß haben sich zu DDR-Zeiten viele Schriftsteller und Künstler getroffen. Der Popstar oppositionellen Literaturszene Sascha Andersen war ihr charismatischer Mittelpunkt und zugleich ihr Judas, der in kaum glaublicher Weise Informationen über Freunde und Bekannte an die Staatssicherheit geliefert hatte. Der Film versucht zu ergründen, wie seine Bereitschaft zur Denunziation entstand und was ihn zum Spiel mit der eigenen Existenz bewogen hatte.

"Triptyque"

In ihrem Film „Triptyque“ lassen die Regisseure Robert Lepage und Pedro Pires drei Menschen aufeinandertreffen, die sich in einer Grenzsituation befinden: die Buchhändlerin Michelle wird aus einer psychiatrischen Einrichtung wieder ins alltägliche Leben entlassen; bei ihrer Schwester Marie, einer Jazzsängerin, wird ein Gehirntumor festgestellt; Thomas, ihr Arzt muss das Zittern seiner Hand mit Alkohol betäuben. Vor dem Hintergrund von Montreal zeigt der Film in eindrucksvollen Bildern, wie die drei Protagonisten sich mit ihrem Schicksal auseinandersetzen.

„Nymphomaniac Volume I“ , „Kreuzweg“ und „Andersen“ werden demnächst auch im Kino zu sehen sein. „Triptyque“ wohl eher nicht. Der Film sei- obwohl sehr gut- ein finanzielles Risiko im Kino, war von mehreren Filmverleihern mit Bedauern zu hören. Aber vielleicht ist „Triptyque“  ja ein Fall für realeyz.tv?

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FrankZ