Pier Paolo Pasolini: Von Rom nach Berlin

     |    Monday, der 8. September 2014

“Pasolini hat die Schauspieler auf der Straße ausgesucht und hat uns hingenommen so wie wir waren. Einige von uns kamen morgens verspätet am Drehort an, weil sie vorher stehlen mussten um zu essen, andere kamen gar nicht, weil sie am vorigen Tag verhaftet wurden.“ So Franco Citti, einer der Protagonisten von „Accattone“, die erste Regiearbeit eines der wichtigsten und umstrittensten italienischen Intellektuellen der Nachkriegszeit Italiens. Gerade bei den abgeschlossenen Festspielen in Venedig lief die Docufiction von Abel Ferrara über den letzten Lebenstag des Poeten und Filmemachers. Willem Dafoe spielt Pasolini.

Accattone

Foto: Deutsche Kinemathek

In „Accattone“ stellte Pasolini die Missstände des römischen Vorstadtmilieus dar und die Rollen besetzte er mit Laiendarstellern wie Franco Citti.  Der Film ist ein wichtiger Beitrag zum italienischen Neorealismus.

Auch in seinen bis dahin veröffentlichten Romanen galt seine Sympathie der „borgate romane“, den proletarischen römischen Vorstädten: Pasolini entdeckt in ihnen noch authentische Wertvorstellungen. Er steht für ein Italien in Veränderung: vom rural-archaischen zum industrialisierten Land  einer Konsumgesellschaft. Als poète maudit, Kommunist und Homosexueller wurde er von einem Teil Italiens – der italienischen Bourgeoisie – gehasst und gefürchtet.

Aus diesem Film  kommt auch einer der Ausschnitte des Filmessays ARBEITER VERLASSEN DIE FABRIK, die Harun Farocki als „ikonografische Untersuchung“ anhand des filmischen Motivs „vor dem Fabriktor“ des Found Footage von Spielfilmen, Dokumentarfilmen, Wochenschauen wie diese zusammenschnitten und im Off kommentiert.

Arbeiter_verlassen_die_Fabrik_Blog

In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre begeht Pasolini ganz anderes Terrain. Seine Filme sind nun inspiriert von der griechischen Mythologie und er begibt sich auf die Suche nach exotischeren Ländern im abendländischen Kulturraum wie Indien, Jemen und  in Afrika. So erinnert an Pasolinis „Appunti per un’Orestiade Africana“  (1970) Gianni Celatis DIOL KADD – LIFE, DIARIES AND TAKES ON A VILLAGE IN SENEGAL.

DiolKadd6

Die Retrospektive Pier Paolo Pasolini im Berliner Arsenal (13.09.-17.10.2014) läuft parallel zur Ausstellung „Pasolini Roma“ im Martin-Gropius-Bau (11.09.2014 – 05.01.2015)

Cuni Ploner

Cuni_Ploner