Panem sucht den Superstar: „Die Tribute von Panem – Catching Fire“

     |    Wednesday, der 20. November 2013

Kira Taszman für realeyz.tv blog

Sie hat diese eine typische Handbewegung. Immer, wenn Bogenschützin Katniss Everdeen mit dem Arm hinter sich greift und einen Pfeil aus dem Köcher fischt, den sie um den Oberkörper geschnallt hat, weiß man: Jetzt gibt’s Äktschn! Seltsam nur, dass wenn sie beispielsweise drei Pfeile mit ihrem Bogen abgeschossen hat und sich davor sechs im Köcher befanden, in der nächsten Einstellung auf einmal acht Pfeile darin stecken. Oder fünf. Welche perfide Logik der Diktatoren des Kapitols von Panem wohl dahinter stecken mag? An einen Fehler der Continuity wollen wir doch bei einer 140-Millionen-Produktion nicht glauben, oder? In Teil zwei der Blockbuster-Trilogie „Die Tribute von Panem“, mit dem Untertitel „Catching Fire“, muss die Vorjahressiegerin der Hungerspiele aus Distrikt 12 erneut bei der überdimensionierten Reality Show um Leben und Tod antreten. Ungerecht eigentlich, hatte sich Katniss (Jennifer Lawrence) doch so gefreut, dass sie und ihr Kampfpartner Peeta jetzt ein Leben in relativer Ruhe und mit ausreichend Lebensmitteln würden führen können. Doch der bitterböse Präsident Snow (dämonisch gut: Donald Sutherland) erkennt in Katniss ein Symbol der Hoffnung für die geknechteten Völker in den 12 Distrikten des Reiches, die potenzielle Anführerin einer Revolution. Deshalb soll sie bei den Hungerspielen der Meister effektiv beseitigt werden. Und so reproduziert Teil 2 ziemlich genau seinen Vorgängerfilm. Bekannte Darsteller (Woody Harrelson, Lenny Kravitz, Elizabeth Banks) bewegen sich wieder durch ein visuell eher ansprechendes dystopisch-totalitäres Reich, Panem. Dort wird die Mehrheit der Menschen aufs Grausamste unterdrückt, während die Bewohner der Hauptstadt Kapitol ihren Wohlstand in dekadenten, schrillen Barockkulissen ausleben. Wieder finden sich 12 Teams mit Kandidaten auf einem riesigen Naturgelände unter einer ebenso gigantischen Kuppel zusammen, um einander abzumurksen. Glücklicherweise sind es diesmal nicht Kinder, aber das Prinzip bleibt dasselbe. Dass der Regisseur (gewohnt gut: Philip Seymour Hoffman) der Live-TV-Show – einer Mischung aus „Dschungelcamp“ und „Panem sucht den Superstar“ – mitunter heftig ins Geschehen eingreift (wegen der Einschaltquoten und so), sollte den erfahrenen Dschungelstreitern ja eigentlich bekannt sein. Stattdessen streckt Katniss neugierig die Hand aus, wenn eine verdächtige weiße Wolke auf sie zuzischt und kreischt entsetzt, nachdem sie sich erwartungsgemäß daran verbrannt hat: „Der Nebel ist giftig!“ Ansonsten droht Gefahr von Säbelzahnpavianen, Tornados, den gegnerischen Teams und schwarzen Vogelschwärmen, die bei Hitchcock auch nur unwesentlich schlechter aussahen. Soviel zu den Special Effects. Und dann wäre da ja auch noch Katniss‘ Liebesdilemma. Sie kann sich nicht zwischen zwei Männern entscheiden: dem sympathischen Peeta, dessen Darsteller Josh Hutcherson 12 Zentimeter kleiner ist als sie, und dem schönen Bergarbeiter Gale, dessen Darsteller Liam Hemsworth 12 Zentimeter größer ist als sie. Küssen tut sie beide, retten tut sie beide, und inbrünstig den Namen beider schreien (Peeeetaaa!; Gaaaalee!) tut sie auch – je nachdem, mit wem sie gerade zusammen ist. So zieht sich die Intrige über zwei lange Déjà-Vu-Stunden hin, bis in den letzten 15 Minuten tatsächlich noch Spannung aufkommt. Es scheint, als würde Präsident Snows Befürchtung wahr – und das bei einer Heldin, deren Darstellerin Lawrence kürzlich demonstrativ ihr Desinteresse an Politik geäußert hatte…

Kira Taszman

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