One World Berlin 2014 – im Kino Arsenal und online bei realeyz

     |    Thursday, der 20. November 2014

Vom 20. bis 23.11.2014 findet zum 10. Mal One World Berlin statt.

Vier aktuelle Dokumentarfilme zu Menschenrechtsthemen werden als Berlin- oder Deutschland-Premieren im Kino Arsenal aufgeführt. Im Fokus stehen Diskriminierung und Machtmissbrauch durch staatliche Instanzen anhand historischer und aktueller Beispiele aus Deutschland, den USA, Russland und der ČSSR. Die zeigen auch, wie Menschen sich individuell oder kollektiv, durch zielgerichtete Aktivitäten oder konsequente oppositionelle Haltung dagegen einsetzen.
One World Berlin
wird von EYZ Media veranstaltet. Festivalpartner sind American Voices Abroad Berlin, Humanistische Union, und Tschechisches Zentrum Berlin. Medienpartner sind Exberliner Magazine und Le monde diplomatique.

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Donnerstag, 20.11., 19:00 Kino Arsenal (Deutschland-Premiere)

1971 (Eröffnungsfilm)
USA 2014 R: Johanna Hamilton
Dokumentarfilm 79 min engl. OF

Johanna Hamiltons Dokumentarfilm 1971 untersucht einen bisher wenig bekannten „Leak“, dessen Enthüllungen seinerzeit ebenso spektakulär und folgenreich waren wie die von Edward Snowden heute. Im besagten Jahr entwendeten Antikriegsaktivisten als „Citizens’ Commission to Investigate the FBI“ sämtliche Akten eines Regionalbüros in Media, Pennsylvania. Die Dokumente wurden für Journalisten verfügbar gemacht. So wurde erstmals publik, dass das FBI eine umfassende und verfassungswidrige Überwachung von Andersdenkenden durchführte.

Im Anschluss an die Vorführung findet eine Diskussion mit Johanna Hamilton, Ann Wertheimer (AVA Berlin, Zeitzeugin), Wolfgang Kaleck (European Center for Constitutional and Human Rights e.V., Edward Snowdens deutscher Anwalt) und Annie Machon (Autorin, Geheimdienstexpertin) statt. Moderation: Nadja Vancauwenberghe (Chefredakteurin, Exberliner Magazine).

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Freitag, 21.11., 19:00 Kino Arsenal

ID Without Colors

Deutschland 2013 R: Riccardo Valsecchi
Dokumentarfilm 30 min dt.OF/OmU

ID WITHOUT COLORS widmet sich dem institutionalisierten Rassismus in Deutschland. Regisseur Riccardo Valsecchi untersucht die Verbreitung hierzulande von „racial profiling“. 2012 erklärt das Koblenzer Verwaltungsgericht Personenkontrollen der Bundespolizei in Zügen der Deutschen Bahn aufgrund der Hautfarbe für zulässig. Noch im selben Jahr wurde das Urteil revidiert, VertreterInnen der Polizei bemängelten jedoch, dass sie dieses „Erfahrungswissen“ nicht mehr in ihrer Arbeit einsetzen können. Zur Bekämpfung der Diskriminierung und Kriminalisierung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Religionszugehörigkeit bilden sich Organisationen wie die Kampagne gegen Opfer von Polizeigewalt. Valsecchi interviewt Betroffene, Aktivisten und Rechtsexperten.

Anschliessend Diskussion mit Riccardo Valsecchi, Biplab Basu (Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt), Prof. Dr. Hartmut Aden (Forschungsinstitut für Öffentliche und Private Sicherheit der HWR Berlin), Moderation: Axel Bussmer (Humanistische Union)

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Samstag, 22.11., 19:00 Kino Arsenal (Berlin-Premiere)

Den Pobedy (Victory Day)
Russland 2014 R: Alina Rudnitskaya
Dokumentarfilm 30 min OmeU

In ihrem neuen Film DEN POBEDY (Victory Day) läßt Alina Rudnitskaya („Bitch Academy“) russische Schwule und Lesben über die Auswirkungen des neuen Anti-Homosexuellen Gesetzes auf ihr Leben erzählen. Draußen feiert die Stadt die Militärparade zu Ehren des Siegs im Großen Vaterländischen Krieg. Die Queer Community dagegen muß mit täglichen Niederlagen umgehen.

Anschließend Skype-Gespräch mit der Regisseurin Alina Rudnitskaya.

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Sonntag, 23.11., 19:00 Kino Arsenal (Deutschland-Premiere)

Magický hlas rebelky (Magic Voice of a Rebel)

Tschechien 2014 R: Olga Sommerová
Dokumentarfilm 87 min OmeU

Zur Hymne gegen die Besatzung der Tschechoslowakei und für den „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ wurde „Modlitba pro Martu“, gesungen von Marta Kubišová. Durch ihre betörende Altstimme wurde sie zur populärsten Sängerin der ČSSR, der internationale Durchbruch stand kurz bevor. Stattdessen folgten fast zwei Jahrzehnte Berufsverbot, Überwachung und Verbannung. Anstatt sich in der „Normalisierung“ bequem einzurichten, zu resignieren oder emigrieren, wurde Kubišová 1977 Sprecherin der von Václav Havel mitbegründeten Menschenrechtsinitiative Charta 77, die die tschechoslowakische Regierung zur Einhaltung der von ihr selbst ratifizierten Grundrechtsstandards ermahnte. Während der Samtenen Revolution vor 25 Jahren, im November 1989, erlebte Kubišová ein ebenso unerwartetes wie fulminantes Comeback. Olga Sommerovás Dokumentarfilm MAGICKÝ HLAS REBELKY porträtiert eine Künstlerin, die für ihre Ideale ohne jegliche Selbstgerechtigkeit eingetreten ist.

Anschließend Skype-Gespräch mit der Regisseurin Olga Sommerová.

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Von frühreren Jahrgängen sind über 40 Filme im One World Channel verfügbar. Zu den Highlights zählen Barbet Schroeders Porträt des umstrittenen Strafverteidigers Jacques Vergès, IM AUFTRAG DES TERRORS, der mit einem César ausgezeichnet wurde; der in der Endzeit des Apartheid-Regimes spielende Polittthriller ENDGAME – DIE MANDELA-VERSCHWÖRUNG mit Chiwetel Ejofor, William Hurt und Johnny Lee Miller; Frieder Schlaichs stilsicherer, einfühlsamer und authentischer WEIL ICH SCHÖNER BIN, der die Geschichte einer Teenagerin aus Kolumbien erzählt, die ohne Aufenthaltspapiere in Berlin lebt; und I AM GAY AND MUSLIM von Chris Belloni, ein Porträt von jungen Männern in Nordafrika, die ihre religiöse und sexuelle Identitäten ohne Widersprüche ausleben wollen.

Vom aktuellen Jahrgang 2014 werden demnächst ebenfalls ausgewählte Beiträge verfügbar sein.