Liebhaber, Zauberer, Nazi, Komödiant: Der Schauspieler Ralph Fiennes

     |    Wednesday, der 12. March 2014

Lustig ist er ja eigentlich selten. Eher nimmt man ihn als leidend, romantisch oder bedrohlich wahr: den englischen Schauspieler Ralph Fiennes. Doch dass Fiennes auf der Leinwand auch bumsfidel sein kann, stellt er gerade in Wes Andersons so durchgeknallter wie knallbunter Komödie „The Grand Budapest Hotel“ zur Schau. Dort gibt der 51-Jährige den Concierge Gustave, einen Dandy in lila Livree und Beehrer von Damen aller Altersstufen. Als vornehme gute Seele des prächtigen, pinkfarbenen Hotels drückt er sich nicht nur erlesen aus, sondern kann auch verbal Deftigeres ausspucken, wenn die Situation es erfordert. Jedenfalls zieht Fiennes in dem turbulenten Film mit dem All-Star-Cast sämtliche mimischen und physischen Register, die einen guten Komödianten ausmachen und und erweist sich tatsächlich als hochkomisch.

Ralph Nathaniel Twisleton-Wykeham-Fiennes, so heißt er mit vollem Namen, wurde 1962 in eine mit künstlerischen Genen ausgestattete Adelsfamilie hineingeboren. Heute ist sein Bruder Joseph Fiennes ebenfalls Schauspieler („Shakespeare in Love“), während seine Schwester Sophie Dokumentarfilmregisseurin und eine weitere Schwester, Martha, Spielfilmregisseurin ist. Den Durchbruch erzielte Ralph Fiennes – sein Name, wenn korrekt ausgesprochen, reimt sich auf „safe signs“ – mit der Rolle des KZ-Kommandanten Amon Göth in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“. Als eiskalter Sadist, der zum Spaß KZ-Insassen mit dem Gewehr erschießt, ließ er so manchen Zuschauer frösteln und erhielt seine erste Oscar-Nominierung. Im Anschluss hat man ihn trendy und mit wallender Mähne in Kathryn Bigelows Science-Fiction-Thriller „Strange Days“ gesehen, doch vor allem in der Rolle des tragischen Liebhabers Almasy (von Kristin Scott Thomas) in Anthony Minghellas modernem Klassiker „Der englische Patient“ ließ er die Damenherzen dahinschmelzen.
Für jüngere Zuschauer ist Fiennes allerdings einfach nur Voldemort, der böse Zauberer und Antagonist von Juniormagier Harry Potter in fünf Filmen der Harry-Potter-Franchise. Mit Glatze, eiskaltem Blick und computergeneriert-bedingt fehlender Nase flößt er seiner Figur so viel böse Energie ein, dass man ihm lieber nicht zu später Stunde in einer dunklen Gasse begegnen möchte.

Auf realeyz.tv beweist Ralph Fiennes seine Vielfalt in drei sehr unterschiedlichen Filmen: In der opulent ausgestatteten Literaturverfilmung ONEGIN – EINE LIEBE IN PETERSBURG (Regie: Martha Fiennes) nach dem berühmten Versepos von Alexander Puschkin spielt er die Titelrolle, den Aristokraten Eugen Onegin. Seinen berühmten schwermütigen Blick aus blau-grünen Augen kann er hier besonders effektiv einsetzen und verleiht seinem Charakter ein authentisch russisch-melancholisches Flair. Als ehemaliges Mitglied der Shakespeare Company erweist er in CORIOLANUS dem englischen Nationaldichter aus Stratford seine Reverenz. Fiennes spielt in dem Drama nicht nur die Hauptrolle, sondern führt auch Regie. Die Handlung hat er ins Heute verlegt und gibt den gefallenen römischen Heerführer mit Glatze und in Kampfmontur, Uniform oder khaki Unterhemd als knallharten, überehrgeizigen Militär und Racheengel.

In dem prunkvoll ausgestatteten Historiendrama DIE HERZOGIN wiederum spielt Fiennes einen Aristokraten aus dem 18. Jahrhundert: den Herzog von Devonshire und zweitmächtigsten Mann Englands, der seiner jungen Frau gegenüber gefühlskalt ist und sich nur für seine Hunde und seine Mätressen interessiert. Mit Perücke und Rokoko-Gewändern versprüht er wieder diesen ihm ganz eigenen mysteriösen Charme und schafft es, einer eigentlich unsympathischen Figur eine tiefe, menschliche Dimension hinzuzufügen.

Miete Steinmann

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