Interview mit Film-Crowdfunding-Experte Wolfgang Gumpelmaier

     |    Sunday, der 10. January 2010

1. Wie bist Du auf Crowdsourcing aufmerksam geworden?

Durch meine Tätigkeit bei www.filmtiki.com habe ich mich intensiv mit dem Thema Crowdsourcing im Filmbereich beschäftigt. Vor allem Four Eyed Monsters oder We are the Strange haben mir hier ziemlich eindrucksvoll die Möglichkeiten des Crowdsourcings vor Augen geführt. The Age of Stupid war dann eines der ersten Crowdfunding-Projekte, die ich mit Neugierde verfolgt habe.

2. Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Vor allem im Independent-Bereich ergeben sich durch das Internet und Social Media neue Möglichkeiten, mit den Fans zu kommunizieren und diese in den Filmproduktionsprozess, aber auch in die Finanzierung, das Marketing bzw. den Vertrieb mit einzubeziehen.

Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass sich bei richtigem Einsatz diverser Web 2.0-Plattformen zum Teil äußerst respektable Ergebnisse erzielen lassen. Ich persönlich finde Twitter großartig, da sich hier rasch viele Kontakte knüpfen lassen, die in weiterer Folge oft auch in die reale Welt übertragen werden können. So entstehen immer wieder Partnerschaften oder Kooperationen, die ich noch vor wenigen Jahren wohl kaum für möglich gehalten hätte.

Hinsichtlich der Finanzierung von Filmen über die Internet-Community hat sich ebenfalls gezeigt, dass hier viel Potenzial vorhanden ist. Hannes Stöhr’s Film Berlin Calling etwa – erhältlich hier auf www.realeyz.tv – trägt sich mittlerweile über den Verkauf von T-Shirts. Andere Produktionen verkaufen End-Credits, wie etwa die Jungs von buyacredit.com,. Immer öfter nutzen Filmemacher die diversen Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder auch die neu gestarteten, deutschsprachigen Webseiten www.mysherpas.com oder www.startnext.de mittlerweile auch für den Pre-Sale ihrer Filme oder um die Vervielfältigung ihrer Werke auf DVD oder 35mm-Kopien zu finanzieren.

Hans Hafner, Filmkomponist aus Berlin, hat beispielsweise momentan eine Kampagne am Start, über die er die Finanzierung eines 40-köpfigen Orchesters sicherstellen will. Das Orchester soll den Titelsong zum Indiefilm „Abschiedstournee“, u.a. mit Rolf Eden in der Hauptrolle, einspielen. Auch www.realeyz.tv unterstützt das Projekt und hat 10 Gutschein-Codes zur Verfügung gestellt.

3. Internet und Crowdsourcing – deine Prognosen und Visionen

Vor allem Facebook und Twitter haben in den letzten Monaten sehr stark dazu beigetragen, dass der Hype um Web 2.0 und Social Media weiter anhält. Beide Plattformen haben sich, neben YouTube, zum fixen Bestandteil einer jeden Filmmarketing-Kampagne etabliert.

Ich gehe davon aus, dass vor allem mobile Anwendungen in den nächsten Monaten einen ebenso großen Aufschwung erfahren werden. Daneben wird das Thema Crowdfunding sicher stärker in der Öffentlichkeit angekommen sein und sowohl in der Filmfinanzierung, aber auch im Kultur- und Sozialbereich eine wesentliche Rolle spielen.

Roberto Olla, general secretary von Eurimages, erwähnte erst vor wenigen Tagen beim Filmfestival in Sevilla, dass Crowdfunding ein Bereich ist, der sich in den nächsten fünf Jahren stark entwickeln wird.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird diese Entwicklung sehr stark von den ansässigen Plattformen mitbestimmt werden. Vor allem gibt es nach wie vor enormen Erklärungsbedarf hinsichtlich des „System“ Crowdfunding. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich diese Art der alternativen Projektfinanzierung in den kommenden Jahren auch bei uns nicht mehr wegdenken lässt.
4. Deine Tipps für Filmemacher

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Crowdsourcing und Crowdfunding nicht einfach mal so nebenbei gemacht werden können. Hier bedarf es konkreter Zielvorstellungen, strategischer Planung, gezieltem Aufbau von Communities und nicht zuletzt Zeit.

Beispiele und Tricks finden sich in meiner Präsentation „Crowdfunding im Filmbereich“ bzw. regelmäßigen Abständen in meinem Blog www.socialfilmmarketing.com