Interview mit Axel Ranisch

   Oliver Armknecht / film-rezensionen.de   |    Wednesday, der 29. August 2018

Oliver Armknecht von film-rezensionen.de interviewt Regisseur, Autor und Schauspieler Axel Ranisch:
Es fing als ganz normaler Geburtstag an und endete in einem absoluten Chaos: In Familie Lotzmann auf den Barrikaden erzählt Axel Ranisch mit viel Liebe zum Absurden davon, wie eine alltägliche Familiensituation eskaliert und komplett aus dem Ruder läuft. Nachdem die Komödie auf mehreren Festivals zu sehen war, steht am 28. August 2018 die TV-Premiere an. Wir haben den vielfach preisgekrönten Regisseur vorab in München getroffen, wo er im Sommer die Oper Orlando paladino inszeniert, und ihn zu seinem Film, seinem kürzlich erschienenen Romandebüt Nackt über Berlin und künftigen Projekten gelöchert.

Sie sind ja derzeit sehr vielseitig unterwegs: Kino, Fernsehen, Oper, Sie haben ein Buch geschrieben. War das so geplant?
Das nicht. Ich werde immer wieder gefragt. Es gibt da Leute, die mir lauter Sachen zutrauen, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte. Dann sind die Anfragen so toll und beeindruckend und herausfordernd, dass ich nicht nein sagen kann. So bin ich zur Oper gekommen, so bin ich vor die Kamera gekommen, so bin ich zum Roman gekommen. Immer hat irgendwer was gesehen. Eine Redakteurin vom SWR sagte zum Beispiel, ich solle dringend einen Tatort drehen.

Wie kam es zu Ihrem Film Familie Lotzmann auf den Barrikaden?
Ich habe mit dem Drehbuchautor Sönke Andresen davor mehrfach zusammengearbeitet. Er war schon bei Ich fühl mich Disco dabei und hat mich dramaturgisch beraten. Dann haben wir unsere beiden Krimis zusammen gemacht. Ich kannte sein Drehbuch schon lange und habe es unfassbar geliebt. Normalerweise drehe ich Filme ja gern ohne Dialoge und lasse die Schauspieler improvisieren. Aber bei dem Buch hatte ich wirklich große Lust, es eins zu eins umzusetzen.

Und hat das dann geklappt?
Es hat mit der Besetzung natürlich Veränderungen gegeben. Mrs McAndrew war mal ein Mann. Aber für mich konnte niemand anderes als Gayle Tufts diese Rolle spielen. Den Marktleiter Schleicher gab es hingegen im Buch nicht wirklich. Aber ich wollte unbedingt Peter Trabner mitbringen. Und der hat dann diese Rolle mit Leben gefüllt. Dadurch wurde sie größer und wichtiger, als sie im Drehbuch war. Dass wir Gisela Schneeberger besetzen konnten und dann aber mit Jörg Gudzuhn einen DDR-Schauspieler hatten, das musste dann einen kleinen Ost-West-Hintergrund geben, den wir noch miteingebaut haben, damit man dieses Paar glauben und verstehen kann. Der größte Balanceakt war tatsächlich die Besetzung.

Was hatte Sie an der Geschichte so sehr begeistert, dass Sie sie unbedingt verfilmen wollten?
Der aberwitzige andauernde Crescendo zum großen Chaos, entstanden aus einer an und für sich total nachvollziehbaren Familiengrundkonstellation. Ein Ehepaar, das schon sehr lange zusammen ist und den Blick füreinander verloren hat. Der Vater-Tochter-Konflikt. Ganz private Gedanken, schöne Momente, die wir alle von zu Hause kennen, das sind Geschichten, die mich interessieren. Dass das die Ausgangslage sein kann, um so schön und so laut in alle Richtungen zu hauen, das hat mich begeistert.

Wurde dann am Set noch improvisiert?
Klar! Wenn ich Schauspieler wie Heiko Pinkowski oder Peter Trabner dabei habe, dann lässt sich das nicht vermeiden. Ich würde sagen, dass wir etwa 85 Prozent anständige Drehbucharbeit gemacht haben, der Rest war improvisiert.


Hat der deutsche Improfilm überhaupt noch eine Zukunft?

… hier findet ihr die Antwort und den Rest des Interviews auf film-rezensionen.de.

Axel Ranisch ist auf realeyz mit seinen Filmen Alki Alki, Dicke Mädchen und Reuber sowie als Hauptdarsteller in der Mockumentary Meine Daten und Ich vertreten.

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