„Hunger“- Abstieg in die Hölle

     |    Tuesday, der 14. January 2014

 

Mit „Hunger“, der auf realeyz.tv zu sehen ist, gab  Steve McQueen sein aufsehenerregendes Debüt als Filmregisseur. Bei den diesjährigen Golden Globe Awards ist der neue Film des britischen Regisseurs „12 Years a Slave“ mit dem Hauptpreis als bestes Filmdrama ausgezeichnet worden und damit weiterhin heißer Kandidat für einen „Oscar“. Steve McQueen wäre dann der erste Mensch überhaupt, der sowohl den Turnerpreis, die wichtigste Auszeichnung für zeitgenössische Kunst und auch einen Oscar gewinnt.

Steve McQueen habe als Filmregisseur einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich, berichtet in einem Artikel die „Sueddeutsche Zeitung“. Der in 1969 in London geborene Steve McQueen habe in seiner Schulzeit aufgrund einer Lese-Rechtschreib-Schwäche einen „fürchterlichen Start“ ins Leben gehabt, wie er kürzlich in einem Guardian-Interview sagte. Ihm sei allenfalls eine Zukunft als „Klempner oder Bauarbeiter“ zugetraut worden. McQueen hat nach seinem Schulabschluss Kunst und Design studiert, ist aber von Beginn an stark vom Film beeinflusst gewesen. Ein Ergebnis seines Interesses an Filmgeschichte und speziell der Stummfilm-Ära war „Deadpan“ – die Nachstellung einer Szene aus einem Buster-Keaton-Film. Diese Arbeit trug ihm den Turner-Preis ein.

 

Michael Fassbender und Liam Cunningham in "Hunger"

Nachdem McQueen schon zuvor in Kurzfilmen politische Themen aufgegriffen hatte, folgte mit „Hunger“ sein erster Spielfilm über den Hungerstreik und Tod des IRA-Aktivisten Bobby Sands. Als der Film 2008 in Cannes lief, habe ein Teil der Zuschauer fluchtartig das Kino verlassen, schreibt in seinem Bericht für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ der unvergessene Kritiker Michael Althen. Der andere Teil des Publikums habe am Ende der Vorführung stehend applaudiert. „Hunger“ wurde in Cannes mit der Caméra d’Or für den besten Erstlingsfilm ausgezeichnet.

Steve McQueen´s „Hunger“ sei ein Film von einer „schwer erträglichen Schönheit“  oder auch von einer „überraschend poetischen Unappetitlichkeit“, schreibt Michael Althen. Der Zuschauer begleitet erst einen Wachmann und dann einen Neuankömmling auf ihrem Weg in den Knast, was eigentlich nichts weniger als ein Abstieg in die Hölle ist. „Hunger“ zieht den Zuschauer unwiderstehlich mitten hinein in eine blutigen, unversöhnlichen Krieg zwischen den inhaftierten Aktivisten der IRA und dem britischen Sicherheitspersonal. Immer mehr tritt der von Michael Fassbender grandios gespielte Häftling Bobby Sands in den Mittelpunkt der Geschichte, der in einem kompromisslosen Hungerstreik die einzige mögliche Konsequenz seines Kampfes sieht…

„Hunger“ ist ein ungeheurer Film; ein politisch und filmästhetisch radikaler, „…aufregender Gegenentwurf zu allem ist, was im Kino“ sonst so passiere (Michael Althen).

Zum Thema IRA gibt es mit „Frontline-zwischen den Fronten“ und „Facing the Enemy“ zwei weitere empfehlenswerte Filme auf realeyz.tv.

FrankZ.

 

FrankZ