Heulsuse Peter: The Amazing Spider-Man 2

     |    Wednesday, der 16. April 2014

Superhelden sind bekanntlich schizophren – privat meist unauffällig und schüchtern, im Übermenschkostüm todesverachtend draufgängerisch und unbesiegbar. Besonders bei Spider-Man ist dieser Kontrast auffällig. Dessen bürgerliches scheues Alter Ego Peter Parker hatte es in Teil eins von „The Amazing Spider-Man“ nur der Güte seiner angebeteten Gwen (Emma Stone) zu verdanken, dass die beiden ein Paar wurden. Denn im Unterschied zu seinem Spider-Man-Vorgänger Tobey Maguire, der vor allem durch seine Glubschaugen und seine Naivität als Peter Parker auffiel, gibt Andrew Garfield den Peter als Hyper-Sensibelchen. Ständig wässern seine Augen – beim Tod seines Onkels (Martin Sheen) in Teil eins verständlich. Auch sonst lässt er seinen Tränen auffällig oft freien Lauf.

Doch schließlich müssen die Macher des Relaunches der Spider-Man-Franchise ihren Figuren ja ein ordentliches Profil verpassen. Bei Peter Parker /Andrew Garfield bedeutet das, dass er nah am Wasser gebaut ist, und warum eigentlich nicht? Das bindet das weibliche Publikum, welches angesichts der schutzbedürftigen Waise sofort mütterliche Gefühle entwickelt. Abgesehen davon ist Mister Garfield ja auch nett anzuschauen und vor allem ein guter Schauspieler. Ein weiteres Plus des zweiten Teils der Spidey-Neuauflage (Regie: Marc Webb) ist seine feministischere Ausrichtung. So kreischt Gwen im Unterschied zu Mary Jane (Kirsten Dunst) in Gefahrensituationen nicht panisch herum, sondern möchte selbst an der Action teilnehmen – eine Anwärterin auf Oxford ist sie obendrein.

Die Geschichte von Teil 2 an sich besticht nicht durch ausgefallene Originalität, aber man lässt sie sich gefallen. Der fade Angestellte Max Dillon (Jamie Foxx, gewohnt gut) verwandelt sich in den Hochspannungs-Böswicht Electro und will, sekundiert durch Peters von einer tödlichen Krankheit heimgesuchten Kindheitsfreund Harry Osborn (Dane DeHaan, nicht so schön wie James Franco, aber besser), dem Spinnenmann an den Kragen. Da der Film vor allem den Fokus auf die Beziehungen zwischen den Figuren untereinander legt, geht die Story aber in Ordnung. So zerreißt es Spidey innerlich, dass er Harry nicht helfen kann, während er in seiner Beziehung zu Gwen stets die mahnenden Worte ihres verstorbenen Vaters im Hinterkopf hat, Töchterchen in Ruhe zu lassen. Dass ein ständig gedemütigter Charakter wie Max sich irgendwann an der grausamen Gesellschaft rächen will, leuchtet auch ein. So haftet ihm hier tatsächlich die Tragik eines Frankenstein-Monsters an, während er mit seinem blauen, Blitze absondernden Körper optisch einiges hergibt und halb Manhattan in den Strom-Overkill katapultiert. Auch DeHaan überzeugt als Millionenerbe der Oscorp Industries mit seiner Mischung aus verzweifeltem jungem Mann und boshaftem Muttersöhnchen.
Ob am Ende von „The Amazing Spiderman 2: Rise of Electro“ ein glücklicher Peter Parker steht oder ob er wieder weinen muss, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Kira Taszman

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