Harts 5 – Geld ist nicht alles

    |    Thursday, der 2. April 2015  |     1

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Hat Schwaben-Bashing im Berliner Kino neuerdings Konjunktur? Man denke an die Szene in „Oh Boy“, in der eine unflexible schwäbische Café-Betreiberin dem abgebrannten Helden mit Spezialheißgetränken die letzten paar Euro aus der Tasche ziehen will. Auch in HARTS5 – GELD IST NICHT ALLES, dem mit sehr niedrigem Budget gedrehten Debütfilm von Julian Tyrasa, fungiert ein Schwabe als Fiesling. Schon der Name dieses Investors, Dr. Ernst-Hubertus Siebold, spricht Bände. Er möchte einen Wohnkomplex in Prenzlauer Berg abreißen und dort Luxus-Townhouses errichten.

Doch dabei hat er nicht mit vier Berliner Geringverdienern – Frank, Kurt, Josef und Hart – gerechnet. Um ihren ehemaligen Kindergarten „Räuberbande“ zu retten, der sich in den Gebäuden befindet, werfen sie dem Platten-Plattmacher aus Süddeutschland den Fehdehandschuh hin. Ihr Motto lautet: Kampf dem Turbokapitalismus!

Das gentrifizierende Vorhaben Siebolds ruft Fassungslosigkeit und Empörung bei den vier Freunden hervor. Aber wie soll sich der mittellose Verlierer-Trupp gegen den finanzkräftigen Geschäftsmann wehren? Getreu der Kästner-Maxime „Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es“, die dem Film vorangestellt ist, geben sich die vier Streiter für Gerechtigkeit dennoch reichlich Mühe, Gutes zu tun und Böses zu verhindern.

In Harts Kneipe schmieden die mehr oder weniger Arbeitslosen – ein Ex-BE-Schauspieler, ein Buchhändler, ein Ex-Tänzer und ein Wirt – jede Menge Pläne. Da sie sich dabei aber wie ein ostdeutscher Ableger des dänischen Kult-Trios Olsenbande anstellen, gehen ihre Aktionen meist gründlich in die Hose.

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Vor dem Firmensitz Siebolds in Mitte begeben sich die Mannen um den kämpferischen Hart zur Beobachtung des Übeltäters in Stellung. Doch ihre Anstrengungen, das Passwort von Siebolds Website zu knacken oder journalistisch und juristisch gegen ihn vorzugehen, misslingen. Ein Einbruch in Siebolds Geschäftsräumen – die vier Hartz-IV-Empfänger sind hierfür zur besseren Kommunikation mit Baby-Phones ausgestattet – bringt schließlich die Wende.

Die dabei zufällig vollzogene, ausgesprochen liebevolle, Kindesentführung bietet den sympathischen Tollpatschen die Lösung. Sie lautet: Aufstockung des Kampfpersonals. Aus vier Streitern um Hart werden schließlich HARTS5 – die augenzwinkernde Anspielung auf „Ocean’s Eleven“ dürfte intendiert sein.

Ansonsten chargieren die Akteure in dieser skurrilen Loser-Komödie mit sichtlichem Pläsier, allen voran der Bösewicht aus Baden-Württemberg, der nicht nur ein skrupelloser Geldmacher, sondern auch ein grottiger Vater und Ehemann ist.

Zwar weisen die Nebenplots dieses zuweilen etwas (absichtlich?) dilettantischen, aber liebenswerten Films die eine andere Lücke auf, aber das tut seinem Unterhaltungswert kaum Abbruch. Eine zarte Liebesgeschichte mit viel Tanz zwischen Josef und der Frau des Turbokapitalisten lässt die Romantiker auf ihre Kosten kommen. Auch gehen die Pläne von Frank, Kurt, Josef und Hart meist schief, aber dafür haben sie die Lacher und Herzen der Zuschauer auf ihrer Seite.

Kira Taszman

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