Happy Birthday! Keith Richards zum 70.

     |    Wednesday, der 18. December 2013

Kira Taszman für realeyz.tv blogDer Begriff „Urgestein“ – auf Keith Richards trifft er weiß Gott zu. Tiefe Furchen kerben sein verwittertes Gesicht, sein Mund, aus dem die obligatorische Kippe hängt, ist oft zu einem breiten Grinsen verzogen, während sein graumeliertes, drahtiges Haar meist von einer Art Stirnband-Kopftuch oder zumindest einem Hut verdeckt wird. Keith Richards ist jetzt offiziell ein Greis. Ein Rock-Opa ist er ja schon lange. 70 wird er heute – herzlichen Glückwunsch! Nun ist er in dem Alter angekommen, von dem manch einer nicht zu hoffen gewagt hatte, dass er es je erreichen würde. Oder, um es in Abwandlung eines Udo-Lindenberg-Songs auszudrücken: Man trinkt darauf, dass er jetzt wirklich so alt ist, wie er schon immer aussah!
Doch genug der Äußerlichkeiten. Keith mag zwar ein bisschen weniger berühmt sein als sein berüchtigter Freund-Feind und Bandkumpel Mick, den die Vollendung seiner 70 Lenze bereits im Juli erwischte. Doch es liegt in der Natur der Dinge, dass ein Gitarrist auf der Bühne meist weniger beachtet wird als ein Sänger, zumal, wenn er gegen die berüchtigte Rampensau Mick Jagger antreten muss. Allerdings hat sich Richards als die einen 50 Prozent des langlebigsten Songschreiber-Duos der Rockgeschichte in jeder Hinsicht bewiesen – auch wenn die Urheberbezeichnung „Jagger/Richards“ wohl seit Jahrzehnten nur noch auf dem Papier gültig ist. Als Mick und Keith noch ein kreatives Team waren, tat sich der Gitarrist meist als die verdienstvolle musikalische Hälfte hervor: Ihm verdanken wir manch tolle Stones-Melodie und den Jahrhundert-Riff von „Satisfaction“.
mick keefDoch wie ist es um die Beziehung Jagger-Richards – oder sagen wir anlässlich des heutigen feierlichen Jubiläums ruhig: Richards-Jagger – wirklich bestellt? Angeblich reden die beiden seit Jahren nicht mehr miteinander. Selbst bei ihrer Stippvisite auf der Berlinale im Jahre 2007 sollen die beiden Streithähne samt ihren Entouragen peinlich darauf geachtet haben, einander außer bei den offiziellen Anlässen nicht über den Weg zu laufen. Angeblich empfindet Keith den vier Monate älteren Mick als kleinlichen, geizigen alten Sack. Und womöglich verachtet der bürgerliche Mick (der früher bekanntlich auch kein Heiliger war) den Alt-Hippie Keith ja als unverbesserlichen Kiffer, Säufer und Ex-Junkie. Angepasst hat sich Richards nie, darin unterscheidet er sich von Jagger. Und was man über ihn denkt, war ihm auch immer schnuppe.

Manchen Schicksalsschlag hat der verwegene Gitarrero in seinem Leben hinnehmen müssen: Todesfälle in seinem engsten Umfeld, ein Kind, das wegen Richards‘ Drogenkonsums mit einer Hasenscharte auf die Welt kam und den berühmt-berüchtigten Sturz von einer Palme, der ihn fast das Leben gekostet hätte.
Dass Keith nicht nur Gitarrist und Komponist der Stones bleiben wollte, bewies er als gelegentlicher Sänger bereits auf frühen Stones-Alben wie dem 1968er Meisterwerk „Beggar’s Banquet“. Soloalben hat er ebenfalls produziert, und bei Stones-Gigs – so gesehen in „Shine A Light“ – wird ihm ein Viertelstündchen als Frontmann eingeräumt, während Mick sich hinter der Bühne regeneriert. Diente Richards mit seinem Schlechtwetter-Gesicht Hollywood-Star Johnny Depp noch als Vorbild für dessen Piratenkäpt’n aus „Fluch der Karibik“, avancierte er in „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ tatsächlich noch zum späten Filmstar: in der Rolle von Jacks entspanntem Erzeuger. Kostüm oder Maske wird er dafür nicht gebraucht haben.
keith richards gitarre kippeZwar wirkt K.R. nicht ganz so cool wie sein schon fast stoisch zu nennender Stones-Kollege Charlie Watts. Doch auch mit einem sieben Jahrzehnte jungen Keith ist noch zu rechnen, nicht nur musikalisch. Also, in diesem Sinne, noch einmal: Happy Birthday, Keith. You are the „Salt of the Earth“!

Kira Taszman

Kira_Taszman