FilmFestival Cottbus: Im Osten viel Neues

    |    Tuesday, der 4. November 2014

cottbus14_eroeffnungEndzeit-Thriller, Kriegsfilm, Romanze, Coming-Out-Film, gewagter Kurzfilm oder skurrile Komödie: Die 24. Ausgabe des Filmfestivals Cottbus hat wieder etliche filmische Formate und Themen aus Mittel- und Osteuropa zu bieten. Dabei ist das Einzugsgebiet der diesjährigen169 Filme aus 35 Ländern nach Osten hin traditionell weiter gefasst – bis nach Georgien oder Kasachstan.

Jedenfalls kreuzen sich Filmemacher, Produzenten oder Verleiher das sechstägige Film-Event in der Lausitz seit etlichen Jahren fest im Terminkalender an. Kommunikation unter Filmleuten wird hier groß geschrieben, etwa bei „connecting cottbus“, dem Ost-West-Koproduktionsmarkt für Produzenten-Autoren-Regisseur-Teams, die Partner für die Realisierung ihrer neuen Spielfilmprojekte suchen. So sind aus den Pitchings der letzten Jahre Filme entstanden, von denen drei auf dem diesjährigen Festival laufen.

cottbus14_DIE_WAELDERZwei davon sind in der Hauptsektion, dem Spielfilmwettbewerb, zu sehen: der kosovarisch-deutsche Film „Drei Fenster und ein Strick“, eine Geschichte um Spätfolgen des Kosovo-Kriegs, sowie die lettisch-griechisch-deutsche Ko-Produktion „Modris“, die von dem dramatischen Fall eines Teenagers erzählt. Insgesamt weist der große internationale Wettbewerb 12 Filme auf, dem Gewinner winkt der mit 20.000 Euro dotierte Preis „Lubina“. Eröffnet wird die größte Sektion des Festivals mit „Underdog“, einem ungarischen Endzeit-Thriller, der aus der Perspektive eines Hundes erzählt. Der österreichisch-slowenische Film „Die Wälder sind noch grün“ beschäftigt sich anhand des Duells zweier verfeindeter Soldaten mit der Sinnlosigkeit des Ersten Weltkriegs. Polen schickt seinen umstrittenen, aber kommerziell erfolgreiches Epos über den Warschauer Aufstand, „Warschau 44“ ins Rennen.

cottbus_14_GAMERAndere Sektionen sind der „Kurzspielfilm“, der „U 18 Deutsch-polnische Wettbewerb“ oder jährlich wechselnde „Specials“. In diesem Jahr sind sie dem Filmland Ukraine gewidmet. Gezeigt wird auch „Gamer“, der erste Spielfilm des ukrainischen Regisseurs Oleg Sentsov, der mittlerweile in einem Gefängnis des russischen Geheimdiensts einsitzt. Die Sektion „Nationale Hits“ zeigt Publikumserfolge aus ost- und mitteleuropäischen Ländern, etwa den slowakischen Film „Der Kandidat“ über Politik- und Machtmissbrauch.

Der Fokus „queerEAST“ zeigt queeres Kino und die Schwierigkeiten junger Schwuler und Lesben, in einem größtenteils homophoben Umfeld aufzuwachsen.

Auch die letzten Werke von Regisseuren, die auf realeyz.tv vertreten sind, kann man in Cottbus sehen. So präsentiert etwa Veit Helmer seinen vergnüglich-anarchischen Kinderfilm „Quatsch und die Nasenbärbande“, während Lech Majewski gewohnt bildgewaltig eine skurril-poetische Parallelwelt zur Arbeitswelt eines jungen Verkäufers entwirft.

Kira Taszman

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