EUROPE UNKNOWN: SÁMI SHORTS

     |    Sunday, der 10. December 2017

INTERFILM 2017 // SPEZIALPROGRAMME

In einer neuen Programmreihe Interfilms über die unbekannten Ecken Europas widmete sich das erste Programmteil den SÁMI Kurzfilmen.

Sápmi, der Kulturraum der Samen, erstreckt sich über den Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands bis einschließlich dem Großteil der Kola-Halbinsel in Russland. Jahrhundertelang wurden die Samen von den Regierungen dieser Länder unterdrückt. Das indigene Volk der Sámi, dessen Zusammengehörigkeit nicht durch Staatsgrenzen gespalten werden kann, strebt aber weiterhin nach Autonomie.

In diesem Kurzfilmprogramm wird der Kampf um Anerkennung mal experimentell, mal historisch, mal musikalisch und mal poetisch inszeniert. Man bekommt sowohl einen Einblick in die Probleme mit denen die Samen kämpfen müssen, als auch eine Perspektive auf deren kulturelle Traditionen. Im Programm befinden sich auch Musikvideos und künstlerische Experimente, die neben samischen Klängen und Traditionen auch auf die westlichen Einflüsse eingehen, wie zum Beispiel Kiälláseh – Lies (Sápmi-Finnland 2016). Die Landschaftsaufnahmen in den Filmen sind faszinierend.

Im Kurzfilm Stoerre Vaerie – Northern Great Mountain (Sápmi-Schweden, 2015) wird eine ältere Frau gegen ihren Willen bei der sámi-traditionellen Beerdigung ihrer Schwester nach Jahren wieder mit ihrer selbst verleugneten kulturellen Herkunft konfrontiert. Mit diesem Kurzfilm als Epilog ist später auch der Spielfilm Sameblod (Sápmi-Schweden, 2016) entstanden, in dem die Identitätsfrage der älteren Dame weiter auseinander genommen und historisch untersucht wird. In diesem Jahr ist Sameblod auch der Gewinner des LUX-Filmpreises des Europäischen Parlaments.

Dieser Fokus auf eine doch so unbekannte Region weckt Neugier und Reiselust aber auch Sympathie und Mitgefühl.