Es wird vielleicht ein Wunder geschehen: Lourdes

     |    Wednesday, der 10. September 2014

Lourdes_BlogEs gibt Situationen im Leben, in denen es nach menschlichem Ermessen kaum eine Hoffnung zu geben scheint und eine Wendung zum Guten derart unwahrscheinlich anmutet, dass sie einem Wunder gleichkommt. Meist stellt sich ein solches- fast schon unwirkliches- Ereignis dann nicht ein und das Weitere nimmt den vermuteten und befürchteten Verlauf. Einigen Wenigen jedoch wird ein solches Wunder zuteil- sehr herbei gewünscht und dann doch unverhofft. Die Botschaft davon verbreitet sich sehr schnell und lässt auch andere darauf hoffen und insgeheim und glühend an eine glückliche Fügung für sich und andere glauben. Gibt es eine höhere Macht, die wundersame Ereignisse möglich machen kann? Gibt es Orte, an dem sie häufiger geschehen?  Ist es der richtige, nahezu bedingungslose Glaube selbst, der ein Wunder etwas wahrscheinlicher macht?

Die  junge, am ganzen Körper gelähmten Christine, gespielt von der wunderbaren Sylvie Testud, macht sich im Film LOURDES der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner auf den Weg zu dem gleichnamigen Ort. Hier soll sich im Jahre 1858 die Muttergottes einem jungen Mädchen offenbart haben. Seitdem wird wieder und wieder von wundersamen Heilungen berichtet. Seitdem reißt der Strom von Abertausenden Pilgern nicht mehr, die sich vom Wallfahrtsort im französischen Südwesten eine außerordentliche Erfahrung erhoffen.

Lourdes_800_6Christine, die auf die Hilfe der Malteser und auch fremder Menschen angewiesen ist, findet sich an einem lauten, fremd anmutenden Ort mit vielen anderen Mensche wieder, die eine nächste Marienerscheinung herbeizusehnen scheinen. Sie reiht sich mit ihnen in die langen Schlangen vor der Mariengrotte ein, lässt sich von einer Zimmergenossin zu einem der Massengottesdienste fahren.

Lourdes_800_4LOURDES zeigt die mitunter grellen profanen Seiten des Ortes, der wie die die Attraktion eines Pauschalreiseveranstalters anmutet. Die Souvenirläden sind bis unter die Decke mit Marienfigürchen vollgestopft und die feilgebotenen Jungfrauenstatuen tragen blaue Neonheiligenscheine. Jessica Hausners Film führt mitten hinein in eine nach bewährten Plan ablaufende, routinierte Wallfahrts-Unternehmung. LOURDES  führt die Menschen, die von dem Ort angezogen werden, aber nicht vor, zeigt sie in liebe-und respektvoller Distanz.

Lourdes_800_5Dies gilt besonders auch für die gelähmte Christine, die eigentlich nur zu einer Art Beschäftigungstherapie nach Lourdes gereist ist. Ausgerechnet sie, der ihre Zweifel an dem Unterfangen immer wieder deutlich anzumerken sind, macht eine wunderbare Erfahrung. Sie kann aus ihrem Rollstuhl aufstehen, an einer Wanderung teilnehmen und einmal sogar auch tanzen. War es Gnade der Jungfrau Maria oder um eine nur vorübergehende Verbesserung ihres Gesundheitszustandes? Jessica Hausners in vielfacher Hinsicht außergewöhnlicher und faszinierender Film löst dieses Rätsel nicht auf.

Lourdes_800_3 FrankZ

 

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