Ein Nachmittag im Westfalenstadion – BVB olé allez olé!!

     |    Friday, der 15. May 2015

IMG_4227_mittelIch bin nicht am Borsigplatz geboren (sondern in Berlin) und hab doch mein Fußballherz verloren – an den BVB. Vor etwa drei Jahren war das, vor dem Fernseher. Da hatte Borussia Dortmund zwei Meistertitel und einen Pokalsieg in der Tasche (was ich mit Wohlwollen, aber nicht Begeisterung zur Kenntnis genommen hatte) und trat in der Champions League gegen Manchester City an. Das Spiel endete unentschieden. Aber wie leidenschaftlich und unverdrossen der BVB gegen wankelmütige Schiedsrichter, feindliche Fans und eine schlechtere Mannschaft auf dem englischen Rasen kämpfte, entzückte mich. Fortan schlägt mein Herz im deutschen Fußball nur noch schwarz-gelb.

Ein Sprung ins Heute und in die verkorkste Saison 2014/15. Was hat man als BVB-Fan in den letzten Monaten nicht alles seufzen, fluchen und heulen müssen! Immer tiefer versanken die Borussen in der Tabelle, wurden Hinrundenvorletzter und nach einem unterirdischen Spiel gegen Augsburg im Februar dieses Jahres tatsächlich Allerletzter. Doch wie heißt es in der BVB-Hymne so schön:

Es gab Zeiten da ging’s uns richtig schlecht.

Wir blickten in den Abgrund und schworen uns jetzt erst recht.

Gemeinsam durch das Tränental geschlossen Hand in Hand und

am Ende der dunkeln Gasse erstrahlt die gelbe Wand.“

IMG_4184_mittelSo sollte es dann auch kommen. Während andere – Kommentatoren, aber auch pessimistische Fans – schon den Abstieg des Dortmunder Traditionsklubs prophezeiten, glaubte ich felsenfest an den Klassenerhalt. Auch wenn sich in mir ein leiser Zweifel am Hauruck-Spielstil des BVB und damit auch an der Strategie des bis dahin unantastbaren Cheftrainers Jürgen Klopp regte. Drei Monate, neun emporgekletterte Tabellenplätze und 25 dazugewonnene Punkte später ist der BVB gerettet, die Europa League in Sicht, der BVB im Pokalfinale. Doch Kloppo wird gehen – ein Trauerspiel für die Fans. Klopp und der BVB gehörten zusammen wie Schwarz und Gelb, wie Dortmund und Revier, wie Curry und Wurst, wie Pressing und Gegenpressing, wie Lennon und McCartney, wie Himmel und Hölle, wie Piszczek und Schmelle, wie Reus und Auba, wie Oma und Opa, wie Watzke und Zorc, wie Tor und Jubel, wie Süd und Tribüne, wie Glücks- und Gefühle.

IMG_4204_mittelEine Ära geht zu Ende, und die Schreiberin dieser Zeilen befand, dass es allerhöchste Zeit sei, dem Mekka des deutschen Fußballs einen Besuch abzustatten, solange Kloppo noch in der Coaching-Zone steht. Also, auf ins Westfalenstadion! Am 32. Spieltag wollte ich die Mannschaft meines Herzens (Dortmund) gegen die Mannschaft meiner Heimatstadt (Berlin) gewinnen sehen. So war der Plan, und er ist aufgegangen, mit einem Endergebnis von 2:0 für die Schwarz-Gelben. „Borussiiiaaa, Borussiiiaaa!“ sangen am Ende der Partie über 77.000 Fans: Dortmunder, aber auch versprengte Holländer, Engländer, Franzosen und mindestens eine Berlinerin. Denn die Strahlkraft des BVB geht trotz dieser offensichtlich durchwachsenen Saison weit über den Ruhrpott und Deutschland hinaus. 3000 mitgereiste Herthaner hingegen trauerten.

IMG_4188_mittelDass für die Dortmunder selbst der Samstag der Heimspiele Völkerwanderung, Massenerlebnis, fester Termin und Gaudi zugleich ist, bewiesen die schwarz-gelben Menschenmassen, die am frühen Nachmittag wie selbstverständlich in Richtung Stadion strömten. Viele Frauen waren dabei – etliche im BVB-Dress mit Kehl-, Kloppo-, Kagawaschriftzug oder eigenem Namen – aber auch Familien, Männergruppen oder Ultras. Einmal im Westfalen-Stadion gestanden zu haben, die Südtribüne (alias „Die gelbe Wand“) neben sich wippen und schunkeln zu sehen und den pathosschwangeren BVB-Hymnen zu lauschen, erwies sich mühelos als das Glückserlebnis, das ich mir erhofft hatte. Auch wenn Reus wegen Adduktorenproblemen nicht auf dem Platz stand, die Herthaner wie verschüchterte Häschen spielten, Kagawa und Mchitarjan hundertprozentige Chancen versemmelten und das Spiel an sich nicht eben einem Hitchcock-Krimi glich.

IMG_4206_mittelDafür waren die BVB-Verteidiger in Hochform. Bravo Subotic (ein Kopftor nach Ecke von Mchitarjan) und Glückwunsch an Erik Durm zum ersten Pflichtspieltor (mit links)! Auch Jürgen Klopp schien nach dem Spiel zufrieden, obwohl er nicht die von mir erhofften Kloppo-Freudensprünge vollführt hatte. Ein kurzes Verbeugen vor der Südtribüne, ein flüchtiges Winken zu uns gen Osttribüne nach der Partie und ab ging’s für den BVB-Chefdirigenten in die Katakomben des Stadions. Danke Kloppo, Stratege des Rasens, Schreck der vierten Offiziellen, schwäbischer Charmeur, Verbannter in die Ränge, Fletscher von Zähnen, schlagfertiger Kommentator, Motivator verzagter Kicker, kurz: KÖNIG DER HERZEN!!! Vor dir ziehen wir unseren Hut und singen:

Forza BVB – schwarz und gelb allez!!

Und ist er auch nicht im Ruhrpott geboren, so wünscht man dem sympathischsten Revier-Schwaben der Welt, noch ein letztes Mal um den Borsigplatz zu kurven – mit einem Pokal in der Hand und umjubelt von hunderttausend Borussen.

Kira Taszman

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