DramaConsult: Regisseurin Dorothee Wenners Tourneetagebuch

     |    Monday, der 4. November 2013

Von Dorothee Wenner

Vor dem Kino – Regen, München, echtes Novembergrau – treffen sich Dr. Fatai Kayode Salau von der GIZ und Jahman Anikulapo, Kulturaktivist – und erkennen sich, ohne sich zu kennen, als Nigerianer, die zu DramaConsult wollen. Jahman erzählt, wie ihm das schon häufiger passiert sei, auch in Berlin. Da habe ihn eine afrkanische Frau angesprochen: Du bist bestimmt Nigerianer? – Wieso meinst Du? – Du gehst, als würde Dir die Strasse gehören.

Jahman und Dr. Salau stellen bald fest, gemeinsame Bekannte zu haben. Auch sind sie nicht weit von einander aufgewachsen: sie verabreden sich für später, in Lagos. Überhaupt: diese ganz vielen Folge-Verabredungen sind was Tolles. Nach den Vorstellungen, während und nach den Filmgesprächen, entsteht gerade ein richtiges Netzwerk. Informell. Professionell. Trans-disziplinär. Alle fragen sich beständig nach Visitenkarten, aber nicht alle haben welche im Kino dabei: aber man hat den Eindruck, dass die auf Servietten gekritzelten ausgetauschten Kontakte morgen, bald benutzt werden.

Dr. Salau, seit 30 Jahren in Deutschland sagte: Deutsche werden, wenn sie zwei, drei Mal in Afrika waren, oft als „Afrika-Experten“ angesehen. Während man hierzulande Migranten aus Afrika diese Expertise nur selten, nach Mühen und Kämpfen zugestehe: er meinte, dass es an der Zeit wäre, die in Deutschland lebenden Migranten als Experten anzuerkennen.

Filmprotagonisten besichtigen ein Bauprojekt in Agbadon/Nigeria. Von links nach rechts: Alhaji Chief Musa Olukayode Adedipe, Dolapo Ajayi, Hartmut Sieper (Geschäftsführer von Trans Africa Invest), Verena von Beckerath (Architektin) sowie andere Community-Mitglieder

 

Jahman sagt, der Geschmack in Sachen Architektur in Lagos ändere sich gerade: vor allem die zahlreichen Nigerianer, die seit der Finanzkrise zurückkehren nach Lagos, würden anders bauen. Die hohen Mauern um Häuser und Villen etwa würden gerade wieder niedriger, wie in seiner Kindheit. Verena von Beckerath, die Architektin/Protagonistin in diesem Film, hat sich im November, wenn sie das nächste Mal im November nach Lagos fährt – zur Eröffnung der  Ausstellung in der Printing Press in Lagos – mit Jahman für eine speziell darauf konzentrierte Stadtrundfahrt verabredet…

Über solche Geschmacksveränderungen von nigerianischen „Rückkehrern“ habe ich gerade einen ganz tollen Roman gelesen AMERICANAH von Chimamanda Ngozi Adichie gelesen – für mich einer der besten Romane dieses Jahr…

Daniel Delatrée von der IHK Oberbayern kam zum Film: er wurde gefragt, wie „realistisch“ der Film sei. Er meinte, die nigerianischen Protagonisten seien sehr „repräsentativ“: in ihrer coolen Art, in ihrer Unterschiedlichkeit zwischen „big & small“ money . Er sagte aber auch, Nigeria sei nichts für „GREENHORNS“ – für deutsche Unternehmer ohne internationale Erfahrungen.

Andres Lepik, Direktor des Architekturmuseum war erst in der Matinée, später gingen wir gemeinsam mit einer ganzen Gruppe von Leuten, die schon im Kino waren,  in seine Austellung AFRITECTURE (toll:: es geht um 26 Projekte in Afrika, die modellhaft in ihre Umgebung ausstrahlen. Ein Frauenzentrum, Umnutzung von Industrieanlagen…unbedingt hingehen, wenn man in München ist!)

Die Ausstellung war brechend voll: gehört vielleicht auch zu der „Trendwende“, von der in den letzten Tagen oft erzählt wurde…aus ganz unterschiedlichen Perspektiven scheinen sich plötzlich viel mehr Leute als vor 3,5 Jahren für Afrika zu interessieren.

Eine Frau war ins Kino gekommen, weil sie als Kunsthistoriker einen Auftrag in Lagos angeboten bekommen hatte. Die meisten hätten ihr abgraten. Nach der Vorstellung und dem Gespräch sagte sie, sie würde jetzt doch und erst recht fahren.

Hartmut Sieper, der Investmentbanker in unserem Film, hat in der Afritecture -Ausstellung, wo die kleine Gruppe nach der Kinovorstellung hinpilgerte, alle Bildbeschriftungen über den Zusammenhang von Wohnen, Bauen, Stadtplanung fotografiert: um sie seinen afrikanischen Partnern zu schicken.

Franzi, eine an afrikanischem und indischem Kino interessierte Filmstudenten von der HFF lud Jahman Anikulapo gleich im Anschluss an unseren gemeinsam verbrachten Sonntag noch zu einer Besichtigung an der Filmschule ein. Die beiden zogen dann auch irgendwann los: obwohl Sonntag waren irgendwelche Professoren da, die Lust hatten, Jahman zu treffen und die Schule zu zeigen.