Diol Kadd – südlich der Sahara

     |    Thursday, der 22. May 2014

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Vom afrikanischen Kontinent kommen seit geraumer Zeit mehr schlechte Nachrichten als gute. Das zu sagen, ist gelinde gesagt, eine Untertreibung. Manchmal liegt die Nachricht sinnbildlich sogar vor der eigenen Haustür. Am Oranienplatz in Kreuzberg, am Alexanderplatz in Mitte und am Breitscheidplatz in Charlottenburg haben in den vergangenen Wochen Flüchtlinge-meist aus Afrika-versucht, ihr Asyl in Europa zu erzwingen. Sie wollten eher verdursten oder verhungern, als dorthin zurückkehren zu müssen, wo ihnen Not und Verfolgung drohen. Manche Regionen Afrikas erscheinen angesichts von Bombenanschlägen und Kidnapping in Nigeria, Massenvergewaltigungen im Kongo und Bürgerkrieg in Zentralafrika geradezu als ein „Herz der Finsternis“. Wo etwas zu holen ist, werden hemmungslos Kriege um die Ressourcen der afrikanischen Länder ausgetragen.

Auf realeyz.tv ist jetzt der Dokumentarfilm DIOL KADD: LIFE, DIARIES AND TAKES ON A VILLAGE IN SENEGAL des italienischen Regisseurs Gianni Celati zu sehen, der in ein ganz anderes Afrika führt. Ein Afrika, das wie ein Gegenbild zur westlichen Zivilisation anmutet. Celati hat mit einem kleinen Team drei Jahre in einem sengalesischen Dorf südlich der Saharawüste verbracht und dort den Alltag der Dorfbewohner beobachtet. Das Nomadenvolk der Peul treibt seit Menschengedenken seine Rinderherden durch die Savanne und lebt in leichten Hütten, die in wenigen Stunden errichtet werden können.

Das Leben im Dorf, das Celati beobachtet, folgt seinem eigenen Rhytmus und wird nicht durch die Uhr, sondern vielmehr durch die Gegebenheiten der Natur und die Riten des Dorflebens bestimmt. Vieles im Dorf geschieht gemeinschaftlich und die Frauen haben oft das Sagen, da die Männer in der Hauptstadt Dakar Geld für ihre Familien verdienen müssen.

Die Offstimme von Gianni Celati ist den ganzen Film über present. Was in anderen Filmen oft störend wirkt, stellt sich im Fall von DIOL KADD: LIFE, DIARIES AND TAKES ON A VILLAGE IN SENEGAL als Gewinn heraus. Celati gilt nicht ohne Grund als einer der wichtigsten lebenden Schriftsteller Italiens. Er findent die richtigen Worte für das Besondere im Leben der Dorfbewohner, spürt die Schönheit in kleinen, alltäglichen Ereignissen auf. Ob es die jungen, attraktiven Frauen am Brunnen sind, die seinen Kameramann herausfordern; ob es der alte Mann ist, der ihm sein künftiges Grab unter einem mächtigen Baobab-Baum zeigt oder dass gewaltige Gewitter, dass den Beginn der Regenzeit bedeutet- stets sind es einzigartige Augenblicke, die durch Kamera und die Stimme des Regisseurs sichtbar und erfahrbar werden. Gianni Celatis Film zeigt das afrikanische Dorf als ein eigene Welt, die sich noch im Gleichgewicht zu befinden scheint. Doch am Horizont sind Bedrohungen sichtbar: die Wüste rückt näher und frisst unerbittlich Bäume und das Grasland um Diol Kadd. Und das westliche Leben hinterlässt immer mehr Spuren im Leben der Menschen. In einem Theaterstück zeigen die Bewohner, wie das Streben nach Geld und Reichtum ihr Leben im Dorf bedoht.

Der Film zeigt die Menschen von Diol Kadd in ihrer Einzigartigkeit, Schönheit und Würde. Wie lange werden sie noch so leben können? Man hofft unwillkürlich, dass in der Nähe nicht irgendeine Ölquelle, Edelmetalle oder etwas anderes gefunden wird, was irgendwo Begehrlichkeiten weckt…

FrankZ

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