Die heulenden Wölfe von Manhattan

     |    Tuesday, der 7. January 2014
Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio in „The Wolf of Wall Street“

Wenn in einem Film ein brisantes, aktuelles Thema aufgegriffen und sogar eine real existierende Person in seinen Mittelpunkt gestellt wird, kommen kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit meist nicht unerwartet. Mit seinem neuesten Film „The Wolf of Wall Street“ hat der amerikanische Meisterregisseur Martin Scorcese für heftige Diskussionen im eigenen Land gesorgt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Finanzkrise lässt Scorcese in „The Wolf of Wall Street“ das Leben des Wertpapierbetrügers Jordan Belfort Revue passieren, der seine ehemaligen Kunden um Hunderte von Millionen geprellt hat, ohne dass diese auf nennenswerte Rückzahlungen hoffen können. Nach einer milden Haftstrafe, für die er seine Kumpane der Justiz preisgegeben hatte, lebt er nun in Kalifornien und bastelt an seiner neuen Karriere. Der Film „The Wolf of Wall Street“ geht auf sein gleichnamiges Buch zurück, in dem er sein bisheriges Leben auf launige Weise erzählt.

Jetzt hat Christina McDowell, deren Vater mit dem echten Jordan Belfort gemeinsame Sache gemacht hatte, Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio der Heuchelei und Verherrlichung von Verbrechern bezichtigt. In einem offenen Brief, der in der Zeitschrift „LA Weekly“ veröffentlicht wurde, schreibt sie: „Ihr seid gefährlich. Euer Film ist ein rücksichtsloser Versuch, so zu tun, als seien diese Delikte unterhaltsam, ausgerechnet in einem Land, das nach einer weiteren Runde von Wall-Street-Skandalen noch immer umhertaumelt… Ihr habt euch erfolgreich mit einem meisterlichen Verbrecher verbündet, einem Kerl, der immer noch nicht seine Opfer voll entschädigt hat, und ihr verschlimmert so nur noch unsere nationale Besessenheit mit Reichtum und Status – und verherrlicht Gier und psychopatisches Verhalten.“

Glorifizieren Scorsese und DiCaprio mit ihrem Helden eine Welt, sie sie vorgeblich kritisch beleuchten? Über die Qualität von Scorseses Werk ist die amerikanische Filmkritik zum Teil recht unterterschiedlicher Meinung. Auf der Website des „New Yorker“ geraten Richard Brody und David Denby in Streit: Brody bescheinigt dem Dreistundenfilm eine „exquisit kontrollierte kinetische Energie“, während Denby über ein „Fake“ und „Beispiel eines abstoßenden, obszönen Filmemachens“ stöhnt und kein gutes Haar an dem einundsiebzigjährigen Regie-Altmeister lassen will: „Das ist, um es deutlich zu sagen, sein Versuch, Tarantino zu übertarantinern.“

„The Wolf of Wall Street“ ist für die kommenden Golden Globe Awards in den Kategorien bester Film und bester Hauptdarsteller (Leonarda DiCaprio) nominiert und ab dem 16.01.2014 auch in die deutschen Kinos zu sehen.

1608_cash_investigation_high_frequency_trading_1Auf realeyz.tv gibt es zwei spannende Filme, die sich auf unterschiedliche Weise Themen wie „Wall Street“, „Börse“ und „Finanzmarkt“ widmen: der Dokumentarfilm „Cash Investigation: High Frequency Trading“ und der Thriller „Der Börsen-Crash“.

1883_der_boersen_crash

FrankZ

FrankZ