Die Familie mit den Schlittenhunden

     |    Saturday, der 6. June 2015

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Im Hohen Norden Kanadas in ewigem Eis und Schnee lebt die vierköpfige Familie Olesen mit ihren gut drei Dutzend Schlittenhunden. Das Leben in der rauen Natur stellt die Olesens offensichtlich zufrieden, doch es fordert den Eltern und Töchtern physisch auch einiges ab. Wie die Familie mit der 15-jährigen Annika, der älteren Tochter, und acht Hunden zu einem Schlittenhundrennen ins über 3000 Kilometer entfernte Alaska fährt, bildet den narrativen Strang dieses unaufgeregten, kontemplativen Films mit seinen atemberaubenden Landschaftsaufnahmen.

Wenn man tagsüber damit beschäftigt ist, seine grundlegenden Lebensbedürfnisse zu befriedigen, erscheint alles andere nebensächlich. Die Olsens bewohnen ein schönes Holzhaus an einem zugefrorenen See im eingeschneiten Wald. Sie leben einigermaßen autark und simpel, haben moderne Technik und Fortbewegungsmittel wie Autos und ein Kleinflugzeug aber in ihr Leben integriert. Auch zeitgemäße Lernutensilien für das „Homeschooling“ der Kinder werden benutzt.

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Meist sind die Olsens jedoch damit beschäftigt, Wasser im See zu schöpfen, dort durch Eislöcher Fische zu angeln, Schießübungen zu absolvieren oder ihre 37 Huskies zu füttern. Die Vierbeiner gehören zur Familie dazu, sie sind Nutztiere und erhalten extra für sie zubereitetes Hundefutter. Die Olesens lieben ihre Hunde und stellen sie dem Zuschauer vor: Sie erklären die besonderen Eigenheiten dieses und jenes Hundes, seine Hierarchie innerhalb der Gruppe. Es sind schöne Tiere, mit ihren typischen blauen Augen, und man schaut sie gerne an, sei es in ihrem Zwinger oder beim Ziehen des Schlittens. Vermenschlicht werden die Hunde in der Doku aber nie, auch wenn man immer wieder mit ihnen bangt, etwa gen Ende des Films, wenn sich einige beim Transport nach Alaska wund gelegen haben. Auch die Hierarchie zwischen Mensch und Tier steht nie in Frage.

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Die Olesens sind eine Familie wie viele andere und doch anders. Sie schätzen den Wert der sie umgebenden Natur und schöpfen deren Gegebenheiten maximal aus. Nachhaltiges Leben jenseits des Zivilisations- und Konsumzwangs leben die Olesens vor. Abstriche beim Komfort – so besitzen die vier lediglich zwei Plumpsklos – nimmt die Familie in Kauf. Freude und Genuss gönnen sie sich trotzdem: So entspannen und reinigen sie sich regelmäßig in ihrer eigens gebauten Blockhütten-Sauna.

Doch auch der Computer, mit dem sie nach außen kommunizieren, Bilder anschauen und auch eine Chronik ihres Lebens in der Natur erstellen, ist Bestandteil ihres Lebens. Manchmal wünscht sich die 15-jährige Annika mehr Kontakt zu Gleichaltrigen, den sie zwischendurch auch hat. Hardcore-Einsiedler sind die Olesens nicht.

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Auch in dem finalen Schlittenrennen kommt es weniger auf die Platzierung, als auf das Erlebnis an. Annika ist stolz, den Wettkampf mit ihren Hunden absolviert und den anderen gezeigt zu haben, was diese leisten können. Wenn man die Familie am Ende des Films wieder in ihrem schneebedeckten Heim beim Füttern der Hunde beobachtet, schließt sich ein Kreis. Und man spürt, dass die Olesens ihren Lebensstil auf keinen Fall durch einen bequemeren, aber auch trägeren und verwöhnteren, würden ersetzen wollen.

Kira Taszman

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