Georg Seeßlen@HfbK Offensiv Experimentell. Keynote Teil 2

     |    Wednesday, der 11. June 2014

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›Offensiv Experimentell‹ ist eine Initiative des Studienschwerpunkts Film der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg (HfBK) unter Federführung von Robert Bramkamp, Professor für Experimentalfilm. Zu ihren Zielen gehört die Verbesserung und Veränderung der gegenwärtigen Produktions- und Distributionsstrukturen des experimentellen Bewegtbildes sowie die Auseinandersetzung mit staatlich-öffentlicher TV-Formatierung und Kinoverwertungsroutinen.

Anläßlich der Fortführung des Projekts im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg veröffentlichen wir in vier Teilen exklusiv auf realeyz.tv die Keynote Address des Film- und Kulturkritikers Georg Seeßlen, die auf der Ersten Versammlung von ›Offensiv Experimentell‹ im Dezember 2013 verlesen wurde.

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›Offensiv Experimentell‹ ist eine Initiative des Studienschwerpunkts Film der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg (HfBK) unter Federführung von Robert Bramkamp, Professor für Experimentalfilm. Zu ihren Zielen gehört die Verbesserung und Veränderung der gegenwärtigen Produktions- und Distributionsstrukturen des experimentellen Bewegtbildes sowie die Auseinandersetzung mit staatlich-öffentlicher TV-Formatierung und Kinoverwertungsroutinen.

Anläßlich der Fortführung des Projekts im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg veröffentlichen wir in vier Teilen exklusiv auf realeyz.tv die Keynote Address des Film- und Kulturkritikers Georg Seeßlen, die auf der Ersten Versammlung von ›Offensiv Experimentell‹ im Dezember 2013 verlesen wurde.

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 ›Offensiv Experimentell‹ ist eine Initiative des Studienschwerpunkts Film der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg (HfBK) unter Federführung von Robert Bramkamp, Professor im Schwerpunkt Film. Zu ihren Zielen gehört die Verbesserung und Veränderung der gegenwärtigen Produktions- und Distributionsstrukturen des experimentellen Bewegtbildes sowie die Auseinandersetzung mit staatlich-öffentlicher TV-Formatierung und Kinoverwertungsroutinen.

Anläßlich der Fortführung des Projekts im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg veröffentlichen wir in vier Teilen exklusiv auf realeyz.tv die Keynote Address des Film- und Kulturkritikers Georg Seeßlen, die auf der Ersten Versammlung von ›Offensiv Experimentell‹ im Dezember 2013 verlesen wurde.

Teil 1 hier lesen.
Teil 3 hier lesen.
Teil 4 hier lesen.

›Offensiv Experimentell‹ ist eine Initiative des Studienschwerpunkts Film der Hochschule für Bildende Kunst Hamburg (HfBK) unter Federführung von Robert Bramkamp, Professor für Experimentalfilm. Zu ihren Zielen gehört die Verbesserung und Veränderung der gegenwärtigen Produktions- und Distributionsstrukturen des experimentellen Bewegtbildes sowie die Auseinandersetzung mit staatlich-öffentlicher TV-Formatierung und Kinoverwertungsroutinen.

Anläßlich der Fortführung des Projekts im Rahmen des Internationalen Kurzfilmfestivals Hamburg veröffentlichen wir in vier Teilen exklusiv auf realeyz.tv die Keynote Address des Film- und Kulturkritikers Georg Seeßlen, die auf der Ersten Versammlung von ›Offensiv Experimentell‹ im Dezember 2013 verlesen wurde.

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Nomadische Filme! Nomadische Kritik! Ein Vorschlag von Georg Seeßlen. Zweiter Teil

10.) Die Entwicklung der politischen Ökonomie des Bewegtbildes lässt die Strategien der letzten Jahrzehnte, die hybriden Filme, die künstlerische Schmuggelware in der industriellen Produktion, die Entwicklung der Handschriften innerhalb vorgegebener Muster wie den Genres, die Besetzung von Nischen (Kurzfilme, sogar Werbe- und Industriefilme waren vor einigen Jahrzehnte offene Experimentierfelder für kinematografische Talente), das Wechseln der Sphären, ein Film für den Kommerz, den nächsten für die Kunst, einen fürs handwerk, den anderen fürs Experiment usw. mittlerweile ins Leere laufen. Denn diese Sphären sind, auch wenn sie das eine oder andere mal noch individuell zu überschreiten sind, in ihrer Ökonomie so festgefügt, das eine entscheidende Verbesserung weder durch amphibisches, schizophrenes noch durch hybrides Vorgehen erreicht werden kann.

11.) Was ist eine entscheidende Verbesserung? Vielleicht gibt es diese Kriterien dafür:
a) Es handelt sich um eine nachhaltige Veränderung. Sie kann nicht nach Belieben von mächtigen Instanzen und Personen wieder rückgängig oder eingeschränkt werden.
b) Es handelt sich um eine bewusste Veränderung. Das Experiment, der Aufbruch zum Neuen, zur Verbesserung, hat einen praktischen und einen theoretischen Teil
c) Es handelt sich um eine kommunizierte Veränderung. Eine Verbesserung eines politisch-ökonomischen Subsystems wird erst sinnvoll, indem sie auch ein öffentliches Echo hat, indem ein interner mit allgemeinen Diskursen verbunden wird.
d) Es handelt sich um eine demokratische Veränderung.
e) Es handelt sich um eine Veränderung, die nicht nur die Produkte, sondern auch die Bedingungen der Produktion verändert.
f) Es handelt sich um eine Veränderung, die nicht allein ein Subsystem (von Gesellschaft, Bild, Sprache etc.) betrifft, sondern darüber hinaus wirkt.

Für den Begriff „entscheidende Veränderung“ könnten wir auch den Begriff „Revolution“ einsetzen.

12.) Wir wollen also das Bewegtbild nach der technischen und nach der semantischen auch in eine soziale Bewegung versetzen. Es soll den ihr zugewiesenen Platz verlassen! Ob ein Film „gut“ ist, werden wir möglicherweise nicht mehr allein an ästhetischen und moralischen Kriterien überprüfen, sondern auch an seiner Fähigkeit, sein Ghetto zu verlassen, nicht an der Leitlinie von Markt und Medium, sondern an der Leitlinie von Kunst und Revolte. Nicht die Quantität des Publikums ist entscheidend, sondern seine „Bewegtheit“. Ein einziger bewegter Zuschauer wiegt mehr als einhundert Tausend unbeweglich gemachte Zuschauer.

13.) Auch nomadische Filme müssen finanziert werden. Die Kompromisse zwischen dem Markt und der gesellschaftlichen/staatlichen Kulturförderung, deren politische Interessen im Hintergrund wir alle kennen, werden wohl noch eine geraume Zeit eine zersplitterte und zugleich extrem strukturierte Produktion des Bewegtbildes erlauben. Eine Zukunft haben sie nicht. Es müssen also neue Formen der Finanzierung gefunden werden. Es gibt eine Reihe von Alternativmodellen (vom Crowdfunding bis zur Subsumtion des Bewegtbildes unter die Gesetze von Kunstbetrieb und Kunstmarkt), die unsere Kriterien für eine entscheidende Verbesserung allerdings nicht wirklich erfüllen. Der entscheidende Punkt wird sein, die Finanzierung zu enthierarchisieren, auch hinsichtlich der Abfolge von Finanzierung, Produktion und Konsumtion. Ein nomadischer Film finanziert sich, während er entsteht, er entsteht vor aller Augen, und er ist nicht „fertig“. Er finanziert sich durch die Spuren, die er in der Öffentlichkeit hinterlässt, nicht durch einen Finanzierungsplan, nicht durch das quantifizierte Publikum. Er ist das Kunstwerk, das unter der Beteiligung seiner Adressaten entsteht, es durchquert verschiedene, auch widersprüchliche Räume. Er sammelt in seiner Entstehung Geld ein, wie es ein Gaukler bei seinen Auftritten tut, und er sondert Elemente ab, die sich auf diversen Märkten und Gegen-Märkten realisieren.

Fortsetzung folgt.

realeyz