Der Hobbit 3 – Von Zwergenhelden mit Wallemähnen

     |    Friday, der 5. December 2014

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Peter Jackson war nicht immer der Kino-Gigantomane, der er heute ist. Mit Splatter, Horror, aber auch eindringlichen Dramen wie HEAVENLY CREATURES machte er sich einen Namen, bevor er unter den fatalen Einfluss des einen, wahren Ringes geriet. Seitdem trägt er in seinen Filmen besonders dick auf. Warum originell oder individuell sein, wenn es auch pompös geht? In seiner dreiteiligen Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Saga „Der Herr der Ringe“ setzte Jackson die Abenteuer von Menschen, Hobbits, Elfen und Zauberern in Mittelerde mit viel (Finanz-)Power, Getöse und Pathos um. Dass er dasselbe inszenatorische Prinzip auch bei seiner dreiteiligen „Hobbit“-Adaption anwendet, ist ihm hinlänglich und zu Recht angekreidet worden. Bei Jackson fungiert die Geschichte des schönen und ironischen Kinderbuchs „The Hobbit“ lediglich als Prequel seines „Oscar“-gekrönten Opus Magnum „Der Herr der Ringe“. Dafür biegt er die Story so lange zurecht, bis alle Stränge und Spuren nach Mordor führen.

So verfährt er auch beim dritten und letzten „Hobbit“-Teil, „Die Schlacht der fünf Heere“. Der mit nur 144 Minuten für Jacksons Verhältnisse schlank geratene Film beendet die Geschichte um den Hobbit Bilbo, der als Gefährte der 13 Zwerge aufbrach, um mit ihnen ihr geraubtes Königreich am Berg Erebor zurück zu erobern. Durch verwunschene Wälder, Schwindel erregende Schluchten und finstere Höhlen waren die 14 Abenteurer gepilgert. Zwischendurch mussten sie sich ekliger Goblins, Orks, Wargs und aller möglicher fauler Zauber erwehren. Am Ende von Teil 2 bekamen sie es schließlich mit ihrem ärgsten Widersacher, dem Drachen Smaug, zu tun. Der wird nun am Anfang von Teil 3 noch vor dem Vorspann platt gemacht, sprich vom Himmel geschossen. Nachdem der Lindwurm die Menschenstadt Esgaroth durch tückisches Feuerspeien niedergebrannt hat, erlegt ihn der tapfere Krieger Bard (Luke Evans) in einer aufgedonnerten, CGI-unterstützen Action-Sequenz.

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Bald werden auch die Menschen einen Anspruch auf den von Smaug erbeuteten Schatz erheben, denn der hatte das Zwergengold um einige Juwelen und Kostbarkeiten aus Menschenbesitz aufgestockt. Doch die bärtigen Wichte, die den Drachenangriff aus der Ferne des Berges mitbeobachtet haben, rücken den Schatz nicht heraus. Am habgierigsten führt sich dabei Oberzwerg Thorin Eichenschild (Richard Armitage) auf. Kurz bevor die Menschen – von Elfen unterstützt – und die Zwerge, denen Thorins Verwandte zu Hilfe eilen, aufeinander losgehen können, stampft jedoch eine Truppe Orks herbei. Gegen diese verbünden sich die beiden Streithähne unverzüglich: Mit solch unappetitlichen Monstern will schließlich keiner etwas zu tun haben. Eine Flugarmee von Riesenadlern macht das fünfte Heer komplett, für Kampfhandlungen satt ist in dem dritten „Hobbit“-Teil also gesorgt.

A propos Hobbit: Wofür ist er eigentlich gut? Denn was sich bereits in Teil 2 abzeichnete, wird hier zur Gewissheit. Der kleine Geselle mit Hang zur Behäbigkeit verkommt zur Nebenfigur. Jacksons ganze Aufmerksamkeit gilt dem Zwergenkönig Thorin: Er erhält eindeutig mehr Leinwandzeit, liebevolle Großaufnahmen und Figurenzeichnung. Mit melancholischem Blick aus blauen Augen, anmutig flatterndem Haar (auch bei Windstille) und gepeinigter Psyche erscheint Thorin als tragischer Held und Erlöser zugleich. Nicht zufällig sekundieren ihm zwölf Jünger in Zwergengestalt.

An der Erfüllung seines Traums, in die Heimat seiner Urväter zurückzukehren, kann sich Thorin nicht lange erfreuen. Der ohnehin nicht diplomatische Zwergenkönig ist dem Goldfieber und der Paranoia erlegen. Seine tapfere und großzügige Seite bebildert Jackson allerdings auch ausführlich. Doch mit Zeit geht der Regisseur fahrlässig um. Die Filmhandlung von Teil 3 umfasst im Buch etwa 60 Seiten und wird mit Ironie und Distanz geschildert. Doch Understatement kann Jackson nicht, Pathos und Heroisierung dafür umso besser.

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Im Buch treiben auch kleine anschauliche oder spielerische Anekdoten und Figuren die Handlung voran. So flüstert dem Recken Bard aus Esgaroth eine Drossel ins Ohr, wo der Drache verwundbar ist. Die Information hatte sie von Bilbo. Im Film wird Bard zum Übervater stilisiert, der den Drachen vor allem deshalb abschießt, weil er es auf seinen Sohn abgesehen hatte. Auch die Zwerge kommunizieren im Buch untereinander mit Vögeln – mit Raben, darunter dem besonders alten und weisen Roäc. Doch da Jackson mit Subtilität auf Kriegsfuß steht, Krieg aber gern bebildert, erfindet er lieber unnötige Nebenschauplätze und -figuren oder ergötzt sich am Tod des attraktiven Zwergs Kili. Denn dass die schönsten Zwerge im Film die geringste Lebenserwartung haben, demonstriert Jackson vor allem an dem nicht enden wollenden, frei erfundenen Zweikampf Thorins mit dem grunzenden, hässlichen Ober-Ork.

Wieder bemüht Jackson auch Personal aus dem „Herrn der Ringe“, das im „Hobbit“ nichts zu suchen hat. So absolviert Cate Blanchett einen dramatischen Auftritt als Galadriel, runzelt Hugo Weaving als Elrond die Stirn über sorgenerfüllten Augen oder fightet Orlando Bloom als Legolas athletischer als in allen „Piraten der Karibik“-Filmen zusammen. Immerhin freut man sich, den beeindruckenden 92-jährigen Christopher Lee als Zauberer Saruman das Schwert schwingen zu sehen. Warum Jackson diese Figuren auftreten lässt? Um die Orks mit Sauron in Verbindung zu bringen und so endgültig den narrativen Pfad zum „Herrn der Ringe“ zu pflastern. Weshalb Bilbo den unsichtbar machenden Ring in brenzligen Situationen allerdings nicht trägt, wird Jacksons Geheimnis bleiben.

hobbit_3_thorinWie immer wartet das Epos, das eigentlich „Das Leben und Sterben von Thorin Eichenschild“ heißen müsste, erneut mit den überwältigenden natürlichen Schauplätzen Neuseelands auf. Für Raum hat Jackson eindeutig mehr Gespür als für Zeit. Auch die Dekors und Kostüme überzeugen, sieht man einmal von dem verunglückten Design des Arkensteins, dem prächtigen Juwel ab, für das Thorins Herz höher schlägt als für sämtliche Zwerginnenschönheiten in Mittelerde (die im Film selbstverständlich nicht auftreten). Auch die Stilisierung der einzelnen Fabelwesen überzeugt. So erscheinen die Elfen graziös und filigran, die Orks abstoßend und brutal und die Zwerge rustikal, aber putzig. Wenn letztere sich am Ende in einer kleinen, rührenden Szene von Bilbo verabschieden, könnte man fast ein Tränchen verdrücken.

Kira Taszman

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