BITTER SEEDS von Micha X. Peled – Dokumentarfilm als Plädoyer für die Agrarwende

     |    Friday, der 26. December 2014

Nach der Zersetzung von gewachsenen Kleinstadtstrukturen durch Megamarktketten (STORE WARS: WHEN WAL-MART COMES TO TOWN) und unfaire Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Jeansfabrik, die auch diese Ketten beliefert (CHINA BLUE) untersucht der renommierte US-israelische Dokumentarist Micha X. Peled in BITTER SEEDS, dem dritten und letzten Teil seiner „Globalisierungs-Trilogie“, die Situation der indischen Baumwollbauern, deren Fasern Rohstoff u.a. der Denimhosen „made in China“ sind. Im westindischen Bundesstaat Maharashtra hat genmanipuliertes Saatgut von Firmen wie Bayer und Monsanto konventionelle Saat vom Markt verdrängt. Die von der Werbung versprochenen Turboernten können nur mit grossem finanziellen Aufwand in Form von Dünger, Bewässerung und Pestiziden erzielt werden. Diese Investitionen sind für Kleinbauern, deren Betriebe über 60% aller Landwirtschaftseinheiten überhaupt ausmachen (aber nur knapp 20% der Einnahmen der gesamten Agrarwirtschaft erzielen) kaum zu bewältigen. Bei geringster Unterschreitung der Ernteziele geraten die Bauern in einen Teufelskreis der Überschuldung. Für viele Bauern – Schätzungen sprechen von bis zu sechsstelligen Anzahlen seit Einführung von GMO-Baumwolle 2002 – erschien Selbstmord der einzige Ausweg.

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BITTER SEEDS bildet einen logischen Abschluss der Trilogie und schildert gleichzeitig den bei weitem gravierendsten Missstand: wenn Ausbeutung zum Tod führt. Eine Hoffnung auf Ausweg bietet die Protagonistin Manjusha Ambarwar, deren Vater Suizid begangen hat und die als Journalistin über das Schicksal der Baumwollbauern aufklären möchte. Durch ihre Perspektive verbinden sich direkte Betroffenheit und objektive Analyse, Einzelschicksal und größerer Zusammenhang. Somit gelingt es Peled, die westzentrierte Sichtweise mancher Dokumentarfilme über sogenannte „Nord-Süd-Gerechtigkeitsthemen“ aufzubrechen, indem Ambarwar durch ihre Einsichten, Texte und Videoaufnahmen an der Erzählung der Geschichte beteiligt ist.

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Manjusha Ambarwar

BITTER SEEDS ist wichtiger Beitrag zur andauernden Diskussion über die Agrarwende, die eine nachhaltige, ökologisch und sozial verträgliche Landwirtschaft ermöglichen will. Vor allem gentechnisch modifizierte Saatgut nicht nur für Baumwolle bleibt kontrovers, wegen der Folgen für die Bodenqualität und Artenvielfalt, unbekannte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Monopolstellung von Konzernen wie Monsanto, die mitunter von staatlicher Seite begünstigt wird, wie in den USA. Weitere Informationen und Möglichkeiten zum Engagement bieten viele NGOs, darunter INKOTA-netzwerk e.V., das die Onlineveröffentlichung des Films mit deutschen Untertiteln ermöglicht hat. Am 17. Januar 2015 findet in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt! Stoppt Tierfabriken, Gentechnik und TTIP! Für die Agrarwende!“ eine große Demonstration statt. Mehr Information dazu hier.

Natalie Gravenor
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