Berlinale-Pressekonferenz 2015

    |    Tuesday, der 27. January 2015

Nun ist es offiziell: das endgültige Programm der 65. Berlinale und die Zusammensetzung der Berlinale-Jury. Berlinale-Direktor Dieter Kosslick lud heute Vormittag – zusammen mit den anderen Sektionsleitern – wieder zum alljährlichen Stelldichein für die berichterstattende Zunft ein, sprich zur Berlinale-Pressekonferenz. Neben dem Jurypräsidenten Darren Aronofsky werden folgende Filmschaffende ebenfalls über die Vergabe der Bären bestimmen: der deutsch-katalanische Schauspielstar Daniel Brühl, der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho, die amerikanische Produzentin Martha di Laurentiis, die französische Diva Audrey Tautou, die peruanische Regisseurin Claudia Llosa und „Mad Men“-Schöpfer Matthew Weiner.
nobody wants the nightDer wie immer gut aufgelegte Kosslick hob einige Themen des Wettbewerbs hervor, etwa starke Frauen in extremen Situationen. So glänzt in dem Historiendrama und Eröffnungsfilm „Nobody Wants the Night“ von Isabel Coixet die zur Zeit omnipräsente Juliette Binoche als zum Nordpol fahrende Gattin eines Polarforschers. Im neuen Werk von Werner Herzog, „Queen of the Desert“ spielt Nicole Kidman die Historikerin und Diplomatin Gertrude Bell (1868-1926), die unter anderem über die Grenzen einiger Länder im Nahen Osten mitbestimmte. Léa Seydoux tritt in die Fußstapfen von Jeanne Moreau in der Neuverfilmung von Luis Buñuels „Tagebuch einer Kammerzofe“ durch Benoît Jacquot. Zum ersten Mal wird auch eine Regisseurin aus dem Kosovo im Wettbewerb vertreten sein: Laura Bispuri mit „Sworn Virgin“. Auch sei es, so Kosslick, nun immerhin das zweite Mal in 65 Jahren Berlinale-Geschichte, dass mit Isabel Coixet eine Regisseurin das Festival eröffne (nach Margarethe von Trotta): Bis zur 50-Prozent-Frauenquote sei es nicht mehr weit, flachste der Berlinale-Chef.
queen of the desert 2Auch Filme über Politik („Der Perlmuttknopf“ von Patricio Guzman über das Pinochet-Regime), über das Filmemachen („Chasuke’s Journey“ von Sabu) sind in der Hauptsektion vertreten. Auf das mörderische Attentat von „Charlie Hebdo“ Bezug nehmend, betonte Kosslick, dass die Berlinale sich in diesem Jahr besonders als Veranstaltung für die Freiheit der Kunst und der Meinung profilieren werde. Dafür spricht auch, dass wieder ein Film des unter Hausarrest stehenden iranischen Regiemeisters Jafar Panahi („Taxi“) im Wettbewerb laufen wird.
taxiIn der Sektion Panorama sei ein Schwerpunkt zum Themenkomplex des Missbrauchs zu beobachten, erläuterte Panorama-Leiter Wieland Speck. So erzählt Rosa von Praunheim in seinem neuen Film „Härte“, der das Panorama-Special eröffnet, das Leben des Karate-Lehrers und ehemaligen Zuhälters Andreas Marquardt. Er wurde von beiden Eltern physisch und sexuell missbraucht und schildert, wie er mit diesen furchtbaren Erfahrungen heute umgeht. Traditionell sind auch Musikfilme in dieser Sektion gut vertreten. In diesem Jahr gibt es Dokus über „Nirvana“-Frontmann Kurt Cobain, „Cobain: Montage of Heck“, oder über die West-Berliner-Musikszene der 70er und 80er, „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin DOK“ mit Blixa Bargeld oder Nick Cave.
cobainWährend die Reihe Generation 14+ mit einem entzückenden russischen Liebesfilm über erste Teenagerliebe aufwarten kann (der Film heißt zu allem Überfluss „14+“), präsentiert die Retrospektive Filme in Technicolor, darunter US-Klassiker wie „Vom Winde verweht“, aber auch weniger bekannte britische Filme aus der Epoche der 30er bis hin zu den 50er Jahren.
Das Forum wiederum, so sein Leiter Christoph Terhechte, präsentiere einen Lateinamerika-Schwerpunkt, darunter „H.“, ein an die griechische Mythologie angelehntes argentinisches Drama über einen Meteoriteneinschlag in der Stadt Troy. Unter den 54 Forums-Filmen befindet sich auch eine Verfilmung von Franz Kafkas „Das Schloss“ („K“) oder „Hotline“, eine israelische Doku, die eine Tel Aviver Menschenrechtsorganisation bei ihrer Unterstützung afrikanischer Flüchtling beobachtet.
Kira Taszman

Preisträger und Geheimtipps vergangener Berlinale-Jahrgänge gibt es hier bei realeyz zu sehen.

Fotos:

Nobody Wants the Night: © Leandro Betancor
Queen of the Desert: © 2013 QOTD Film Investment Ltd. All Rights Reserved
Cobain: Montage of Heck:© The End of Music, LLC

 

Kira_Taszman