Bar 25 – Tage außerhalb der Zeit

     |    Saturday, der 23. May 2015

Hinter dem ehemaligen Mauerstreifen, am Nordufer der Spree gelegen, war die „Bar 25“ eine Institution der Berliner Clubszene. Sie wurde 2004 von jungen Künstlern gegründet und musste 2010 dem Projekt Mediaspree weichen. Wo einst Partygänger von überall her ausgelassen tanzten und feierten, sollen bald Bürohäuser hochgezogen werden. Britta Mischers und Nana Yurikos Dokumentarfilm begleitet die „Bar 25“ von ihren Anfängen bis zu ihrem Ende und schafft dieser Oase der Off-Szene, die zu einem Symbol der Gentrifizierung in Berlin wurde, ein sehenswertes Kino-Denkmal.

Die ersten 20 Minuten bevölkern kostümierte, ekstatische Partygäste im Technorausch die Leinwand. Die wummernden Beats, eine farbenfrohe Lightshow und verlangsamte Bildeffekte vermitteln das Bild eines Traum-Universums, einer nie enden wollenden Partynacht.

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Allmählich werden die Macher der Bar vorgestellt, junge Leute, die ihre bürgerliche Existenz – so sie je eine hatten – aufgegeben haben, um hier den Traum der unbegrenzten Freiheit zu leben. Was sich zunächst nach Hedonismus anhört, entpuppt sich später als das Lebensgefühl einer modernen Hippiekommune, die sich jenseits der konsum- und leistungsorientierten Gesellschaft eine Nische geschaffen hat.

Juval, Christoph oder Steffi Lotta heißen die Begründer der „Bar 25“. Das zur Müllhalde verkommene Gelände an der Spree entrümpeln und begrünen sie und machen es zunächst als Campingplatz für ihre Wagenburgen nutzbar. Dann erbauen sie eigenhändig mit viel Fleiß und Unterstützung von Freunden das Holzgebäude des Clubs, das an einen Western-Saloon erinnert.

Unterbrochen werden die einzelnen Kapitel durch Motti von Oscar Wilde hin zu Hans Christian Andersen. Einen Kommentar gibt es keinen, nur die Erklärungen der Macher. Mal sind sie als Talking Heads zu sehen, mal ertönen ihre Erläuterungen aus dem Off. So vermittelt sich dem Zuschauer eine Insider-Sicht auf den Werdegang der Bar.

Schon am Tag seiner Eröffnung strömen 1000 Leute in den Club. Bald spricht sich seine freie Atmosphäre und seine musikalische Qualität – die größten DJs der Welt legen hier auf – auch international herum. Die Bar ist ein Club und gleichzeitig ein riesiger Spiel- und Jahrmarkt für Erwachsene. Lange Schlangen von Partygängern und Paradiesvögeln aus aller Welt bilden sich entlang der Holzmarktstraße am Berliner Ostbahnhof. Einmal sieht man zur Freude der Club-Gänger ein gigantisches Spree-Feuerwerk steigen. Kurz darauf schreitet die Polizei ein und macht den Laden wegen Lärms vorübergehend dicht.

Trotz oder gerade wegen seines Erfolges nehmen allmählich die Probleme zu. Intern beklagen einige den immer kommerzielleren Charakter des Projekts, das ständig expandiert und sich im Laufe der Jahre auch um ein Restaurant, ein Theater und ein Kino erweitert hat. Extern wird der Druck der neuen Inhaber des Geländes größer. Dem können auf Dauer weder zeitweilige Erfolge vor Gericht noch ein Besuch beim Regierenden Bürgermeister Wowereit abhelfen.

Nach sieben turbulenten, erfolgreichen Jahren weicht die „Bar 25“ auf für sie typische Weise: mit fünf Tagen Dauerparty. Wenn am Ende die Gebäude demontiert werden, kommt Wehmut auf. Wehmut über das Wegbrechen einer Subkultur, an deren Stelle gerade jene Welt der O2-World-Hallen und Bürogebäude tritt, als deren Gegenentwurf die „Bar 25“ angetreten war.

Kira Taszman

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