AmsterDo Underground Cinema Reviews

   AmsterDo   |    Wednesday, der 9. May 2018

Jede Woche zeigt Jeffrey Babcock einzigartige Filme in englischer Sprache oder mit englischen Untertiteln an verschiedenen Orten in Amsterdam als Teil seiner Underground-Cinema Reihe. Er sprach mit AmsterDO unter anderem über die Idee hinter den Vorführungen, die Entwicklung von Amsterdam im Laufe der Jahre und das neue Gebäude des EYE Filmmuseums.

Es gab eine Zeit, in der Amsterdam eine der freiesten Städte Europas war. Das war jedenfalls der Eindruck, den der in Amerika geborene Jeffrey Babcock hatte, als er Ende der 80er Jahre in die niederländische Hauptstadt kam und beschloss, sich hier niederzulassen. „Ich kam zu einer Zeit nach Amsterdam, als Amsterdam eine unglaublich tolerante und vielfältige Stadt war. Es gab eine normale Wirtschaft, in der man einen normalen Job in einem Büro oder Geschäft hatte, aber es gab auch andere Möglichkeiten, und die Leute konnten wirklich entscheiden, wie sie ihr Leben leben wollten. “
Die andere Möglichkeit beruhte auf Hausbesetzungen und der Weigerung, in das vorherrschende Geschäftsmodell einzutreten. Aber die Dinge haben sich im Laufe der Jahre geändert. „Ich habe hier in Amsterdam so viel unkommerzielle Kultur gesehen, in Bezug auf Kino und Alltag und das wollte ich am Leben erhalten. Ich werde mich weigern Teil des kommerzielle Mainstream-Geschäftsmodell zu sein. Deshalb habe ich, in der ganzen Stadt verteilt, diese Kino-Reihe geschaffen.“
Die Kinos, auf die er sich bezieht, sind eine Reihe von Orten an denen regelmäßige Vorführungen stattfinden, wie De Nieuwe Anita, OT301, De Slang, Filmhuis Cavia oder Wilhemina Pakhuis. Sie sind kostenlos oder haben sehr günstige Eintrittspreise und die Filme reichen von
„Big-Budget-Filmen bis zu absoluten Trash-Filmen“, von Amerikanischen wie Richard Linklaters „Waking Life“ bis zum ersten Lars-von-Trier-Film „The Element of Crime“. „Das einzig wirkliche Kriterium ist, dass jeder Film, den ich zeige, etwas absolut Einzigartiges hat,
was ihn von allen anderen Filmen, die jemals gemacht wurden unterscheidet. Es könnte ein trashiger Film sein, kein Budget haben oder ein großer Film sein, solange es keinem Schema folgt.“
Die Idee hinter der Kinoreihe ist, wie es bei allen guten Dingen der Fall ist, ganz simpel: sich zusammen einen Film anschauen. Jeffrey stellt den Film vor und steht danach zur Diskussion bereit.
Die bewusst klein gewählten Locations begünstigen ein Gefühl von Intimität und Freundschaft. „Ich versuche die Leute wieder zusammen zu bringen, Dinge zu erleben und gemeinsam zu träumen. Einen Film zu sehen ist wie in einem Traum zu sein und ich denke es ist sehr wichtig in einem Raum zu sein, in dem alle Menschen diese Erfahrung gemeinsam erleben. Und natürlich ist es sehr wichtig, dass die Leute danach bleiben und über den Film diskutieren: das eine soziale Interaktion stattfindet.“
Er ist kritisch mit den Arthouse-Kinos in Amsterdam, die er für zu geschäftlich gebunden hält, mit einigen Ausnahmen, wie Kriterion („weil es von Studenten betrieben wird und sich ständig verändert, das hält es lebendiger.“); und er hat auch keine guten Worte für das brandneue Gebäude des Eye Film Institute übrig. „Das vorherige Gebäude war eines der besten der Stadt, direkt im Stadtzentrum. Das Problem war, dass das Programm so schlecht war, dass es die Leute nicht dorthin bewegen konnte, also dachten sie, dass sie ein neues Projekt starten müssten, das zu einem größeren Gebäude wurde. Für mich ist das alles ein Schritt zurück. Ich glaube nicht, dass größer besser ist, aber alles ist in diese Richtung gebaut. Sie versuchen Amsterdam größer zu machen, aber der Charme von Amsterdam sind seine kleinen Dimensionen.“

Jeffrey Babcock leitet seit sieben Jahren die Underground-Kinos, beginnend mit einem Squat in der Innenstadt und weiter in De Nieuwe Anita, mit anhaltendem Erfolg. Er kündigt das Programm eine Woche im Voraus an, also musst Du regelmäßig die Websites der verschiedenen Standorte überprüfen oder noch besser, ihm eine E-Mail senden, um in seine Mailingliste aufgenommen zu werden: cinema.acephale@gmail.com.

Dieser Artikel wurde zuerst im Amsterdamer Online Stadtmagazin AmsterDo veröffentlicht. Wir freuen uns über die Genehmigung für diesen Nachdruck.